Bilanzwächter machen Tempo bei einheitlichen Banken-Regeln
London/Frankfurt (Reuters) - Die obersten europäischen und amerikanischen Bilanzwächter wollen schneller als gedacht einheitliche Standards für die Banken-Bücher entwickeln.
"Wir verstärken unsere Anstrengungen, um zu einem einzigen Satz von Regeln hoher Qualität zu kommen", erklärten die beiden zuständigen Gremien FASB aus den USA und IASB aus London am Donnerstagabend. Ziel sei es, die Vergleichbarkeit der Banken-Bilanzierung für Anleger zu verbessern. Die beiden Ausschüsse peilen nun eine Einigung noch vor Mitte 2011 an.
Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) haben die FASB und IASB beauftragt, bis dahin einheitliche Regeln aufzustellen, um Wettbewerbsvorteile einzelner Institute zu beseitigen. Vor allem europäische Banken haben sich immer wieder darüber beklagt, dass US-Konkurrenten mehr Freiraum in der Bewertung einzelner Wertpapiere und der Ermittlung des Verschuldungsgrads haben. Dies führt dazu, dass die Ergebnisse der Deutschen Bank mit denen von US-Investmentbanken kaum vergleichbar sind. Die Regierungen fordern zudem als Lehre aus der Finanzkrise weltweit einheitliche Regeln, damit es keine Bilanzierungs-Schlupflöcher mehr gibt.
Die FASB und die IASB, deren Regeln in rund 100 Ländern außerhalb der USA gültig sind, wollen sich nun monatlich zu Beratungen treffen. Quartalsweise sollen dann Fortschrittsberichte veröffentlicht werden. Mitglieder des US-Expertenausschusses machten deutlich, dass die gemeinsamen Standards am Ende besser sein müssten als die US-amerikanischen oder europäischen. "Konvergenz heißt für uns Verbesserung und nicht, einfach nur dasselbe zu machen", erklärte FASB-Präsident Robert Herz.
Die IASB veröffentlichte derweil weitere Vorschläge für eine Reform der in der Krise stark kritisierten Banken-Bilanzregeln, die nun mit den US-Kollegen erörtert werden. Demnach sollen die Geldhäuser künftig Kredite bereits wertberichtigen, wenn sich Verluste abzeichnen. Bislang müssen sie dies erst tun, wenn das Darlehen tatsächlich ausfällt. Damit kommt das Expertengremium Forderungen der G20 nach, die eine möglichst frühe Verbuchung drohender Ausfälle angemahnt haben.
So müssten sich die Institute schon früher als bislang auf Belastungen einstellen, womit plötzliche Milliardenverluste verhindert werden sollen. Die Änderungen hätten gravierende Folgen für die Branche, da zwei Drittel der Wertberichtigungen einer Bank auf faule Kredite zurückzuführen sind. Verpflichtend sollen die neuen Regeln aber erst 2013 werden.
Der Ausschuss hatte bereits erste Vorschläge zur Bewertung bestimmter Finanzinstrumente vorgelegt. Dabei ging es darum, welche Papiere die Institute nach Marktpreisen bewerten müssen. In der Krise waren viele Märkte zusammengebrochen und es gab daher keine entsprechenden Preise. Dies hatte die Abschreibungswelle verschärft. Daher sollen Banken hier künftig größeren Freiraum in der Bilanzierung bekommen. Ein letztes Paket von Vorschlägen, die sich auch um Hedgefonds drehen, will die IASB zum Jahreswechsel präsentieren.
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