Deutschland könnte Weber für EZB-Vorsitz nominieren

Dienstag, 19. Januar 2010, 08:17 Uhr
 

Paris/Brüssel (Reuters) - Die Bundesregierung hat den Boden für eine Kandidatur von Bundesbank-Chef Axel Weber um das Amt des EZB-Chefpostens bereitet.

"Deutschland wäre zweifellos in der Lage, einen exzellenten Präsidenten als Nachfolger von Jean-Claude Trichet vorzuschlagen", sagte Staatsminister Werner Hoyer dem französischen Wirtschaftsblatt "Les Echos". "Und im Fall einer solchen Kandidatur wäre es nicht unbegründet, dass ein EZB-Ratsmitglied, das so erfahren und erfolgreich wie Herr Weber ist, Nachfolger von Wim Duisenberg und Trichet wird." Der Chef der Euro-Finanzminister Jean-Claude Juncker sagte in Brüssel, die Debatte über Trichets Nachfolge an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) sei verfrüht. Er fügte jedoch hinzu: "Ich bin der Meinung, dass Axel Weber ein hervorragender Zentralbanker ist."

Die Aussagen Hoyers sind die bisher deutlichste Unterstützung der Bundesregierung für Weber. Der 52-jährige Bundesbanker gilt zusammen mit dem italienischen Zentralbankchef Mario Draghi als Favorit für den EZB-Spitzenposten. Trichets Amtszeit läuft 2011 aus.

Derzeit läuft auch die Diskussion über die Nachfolge von EZB-Vizepräsident Lucas Papademos, der im Mai aus seinem Amt ausscheidet. Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen den Nachfolger bei ihrem Gipfeltreffen im März ernennen. Die Finanzminister der Euro-Zone trafen bei ihrem Treffen am Montag noch keine Entscheidung über den Spitzenposten. Im Gespräch sind dafür der Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch, der portugiesische Zentralbankpräsident Vitor Constancio und der Belgier Peter Praet vom Direktorium der belgischen Nationalbank. Juncker erklärte, es müssten noch rechtliche Fragen über die Abstimmungsregeln geklärt werden. Sonst könnte es theoretisch zu Stimmengleichheit kommen.

Die Kandidaten für die Nachfolge des Franzosen Trichet werden voraussichtlich erst 2011 nominiert. Einige Diplomaten gehen davon aus, dass die beiden Spitzenpositionen EZB-Chef und Vizepräsident zwischen Ländern im Norden und im Süden der Euro-Zone aufgeteilt werden. Das bedeutet: Sollte Mersch den Vizeposten erhalten, wäre Draghi Favorit für die Nachfolge Trichets. Würde dagegen Constancio die Nummer zwei, wären Webers Chancen höher.

 
<p>Axel Weber, President of German Bundesbank, poses for the media before the annual news conference in Frankfurt March 10, 2009. REUTERS/Johannes Eisele</p>