Baseler BIZ warnt vor künftiger globaler Schuldenkrise

Freitag, 19. Februar 2010, 17:24 Uhr
 

Frankfurt/Basel (Reuters) - Die Staatengemeinschaft steuert nach Einschätzung der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nach der Finanzkrise auf eine Schuldenkrise globalen Ausmaßes zu.

"Die Fiskalprobleme der Industrieländer sind größer als die offiziellen Verschuldungszahlen zeigen", heißt es in einer aktuellen Studie der auch Notenbank der Notenbanken genannten BIZ, die bereits häufiger mit Warnungen und provokanten Thesen auf sich aufmerksam machte.

In der von BIZ-Chefvolkswirt Stephen Checchetti und zwei weiteren Mitarbeitern der BIZ erstellten Studie mit dem Titel "The future of Public Debt" (Die Zukunft der öffentlichen Verschuldung) warnen die Autoren, die von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und den Euro-Ländern bislang geplanten Sparmaßnahmen reichten wohl nicht aus, um eine Explosion der Staatsschulden in der Zukunft zu verhindern. Es bestehe deshalb die Gefahr einer Vertrauenskrise bislang ungekannten Ausmaßes, heißt es in der Studie.

Die Thesen der BIZ sind nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Griechenland-Krise brisant. Der europäische Defizitsünder Nummer eins hat das Vertrauen der Finanzmärkte und der EU zu einem Gutteil verspielt und muss schmerzhafte Einschnitte unter anderem in seinem Sozialsystem durchführen, um die ihm gemachten Auflagen bei der Haushaltssanierung erfüllen zu können.

Ähnlich könnte es nach Einschätzung der BIZ auch anderen Ländern in Zukunft ergehen, wenn das globale Kapital einen Bogen um sie mache und der Druck der Märkte auf die Regierungen zunehme. "Die Frage ist nicht, ob die Finanzmärkte anfangen Druck auf die Regierungen auszuüben, sondern wann sie damit beginnen."

Die 1930 gegründete BIZ mit Sitz in Basel ist die älteste internationale Finanzinstitution. Da sie einen großen Teil der Währungsreserven der Zentralbanken in aller Welt verwaltet, wird sie auch Notenbank der Notenbanken genannt. Sie ist zudem eine Art "Think Tank" in geld- und finanzpolitischen Fragen und alle zwei Monate der Schauplatz der regelmäßigen Treffen der wichtigsten Notenbanker.

Die BIZ hat immer wieder mit frühzeitigen Warnungen für Aufsehen gesorgt; so hatten BIZ-Ökonomen bereits lange vor dem Ausbruch der jüngsten Finanzkrise 2007 vor massiven Risiken bei Kreditderivaten und am US-Häusermarkt gewarnt. Damals hörte kaum jemand zu; inzwischen haben Mahnungen aus Basel aber weltweit ein besonderes Gewicht.