Japans Notenbank verstärkt Kampf gegen Preisverfall

Mittwoch, 17. März 2010, 15:35 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Unter dem Druck der Regierung pumpt die japanische Notenbank im Kampf gegen die Deflation weitere Milliarden in den Finanzkreislauf.

Sie verdoppelte am Mittwoch ihre im Dezember eingerichtete Liquiditätshilfe für die Banken auf 20 Billionen Yen (rund 160 Milliarden Euro). Aus diesem Topf kann sich die Branche bei der Notenbank für drei Monate praktisch zum Nulltarif mit frischem Geld eindecken. Der Leitzins liegt weiter bei 0,1 Prozent. Die Zentralbank bekräftigte ihre Zusage, alle Register im Kampf gegen die Deflation zu ziehen. Japan schlägt damit im Vergleich zu anderen großen Währungsräumen einen Sonderweg ein.

Die US-Notenbank Fed entschied am Dienstag, in der Krise aufgelegte Programme zum Ankauf von Wertpapieren im Gesamtwert von 1,4 Billionen Dollar noch in diesem Monat auslaufen zu lassen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat den schrittweisen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes längst eingeleitet. In den von der Krise weitgehend verschonten Staaten Australien und Norwegen steigen die Leitzinsen sogar bereits seit geraumer Zeit.

Japan hat die Rezession dank seiner starken Exportwirtschaft zwar schon rund ein Jahr hinter sich gelassen. Die Achillesferse der zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bleibt jedoch der Binnenmarkt: Bislang ist es nicht gelungen, das Deflationsgespenst zu bannen, das Japan bereits seit den 90er Jahren heimsucht. Trotz der niedrigen Zinsen und der Konjunkturprogramme fallen die Preise, da Verbraucher ihre Kaufentscheidung in der Hoffnung auf eine weitere Verbilligung immer wieder aufschieben. Da der Regierung in Tokio wegen der auch im internationalen Maßstab extrem hohen Staatsverschuldung kaum mehr Spielraum für weitere Konjunkturpakete bleibt, drängt sie die Bank of Japan (BoJ) seit Monaten, den Kampf gegen die Deflation zu verstärken.

Die BoJ beugt sich diesem Druck jedoch nur widerwillig, wie aus dem Votum der Notenbanker herauszulesen ist: Zwei von sieben Zentralbank-Gouverneuren stimmten dagegen, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Experten bezweifeln zudem, dass das billige Zentralbankgeld ein geeigneter Hebel zur Ankurbelung der Kreditvergabe ist, da wegen der schwachen Auslastung vieler Fabriken nur eine schleppende Nachfrage nach Darlehen besteht. "Die Auswirkungen des BOJ-Beschlusses werden daher sehr begrenzt sein", sagte Naomi Hasegawa von Mitsubishi UFJ Securities in Tokio. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Regierung die Notenbank zu weiteren Schritten drängen wird.