Deutscher Aufschwung geht 2011 weiter - Konsum schiebt

Dienstag, 14. Dezember 2010, 15:40 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz der Euro-Schuldenkrise trauen Börsenprofis und Ökonomen der deutschen Wirtschaft auch in der ersten Jahreshälfte 2011 ein robustes Wachstum zu.

"Im kommenden Jahr bleiben die Konjunkturampeln in Deutschland auf Grün", sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, am Dienstag. Die Wirtschaftskraft werde nach 3,7 Prozent in diesem Jahr 2011 um 2,4 Prozent zulegen, und die Inlandsnachfrage dürfte dann fast 90 Prozent zum Wachstum beisteuern. Die gute Lage am Arbeitsmarkt und höhere Löhne lassen nach Angaben der GfK-Marktforscher zudem die Kaufkraft der Deutschen steigen. Sie haben nächstes Jahr im Schnitt 19.684 Euro zur Verfügung und damit 499 Euro mehr als 2010.

Damit werden die Verbraucher wohl noch stärker in ihre Rolle als Wachstumsmotor hereinschlüpfen. "Günstige Einkommensperspektiven, Arbeitsplatzsicherheit und niedrige Zinsen dürften den privaten Konsum und die Wohnungsbauinvestitionen unterstützen", schrieben die Ifo-Forscher in ihrer neuen Konjunkturprognose. Die Verbraucher werden 2011 demnach 1,4 Prozent mehr ausgeben, obwohl die höheren Beiträge für die Arbeitslosen- und Krankenversicherung auf die Kaufkraft drücken dürften. Zudem müssen sich die Deutschen wieder auf eine stärkere Inflation einstellen, erklärte das Ifo. Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten dürften 2011 um 1,7 Prozent steigen und damit so kräftig wie zuletzt 2008.

WENIGER ARBEITSLOSE - MEHR VOLLZEITSTELLEN

Rückenwind erhalten die Konsumenten vom Arbeitsmarkt. Nach Ifo-Berechnungen wird die Arbeitslosigkeit 2011 im Jahresdurchschnitt um 300.000 auf 2,94 Millionen sinken. Hatten zuletzt vor allem Leiharbeiter vom Aufwind profitiert, dürften die Firmen im nächsten Jahr auch wieder ihr Stammpersonal aufstocken und damit wieder mehr sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen schaffen.

Neben den privaten Haushalten dürften auch die Unternehmen mit weiter anziehenden Investitionen für Schub sorgen, schrieben die Ifo-Forscher. "Die Konjunktur ist das reinste Wintermärchen", sagte Ifo-Präsident Sinn. Auch Börsenprofis sagen der Wirtschaft eine rosige Zukunft voraus. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten stieg im Dezember um 2,5 auf 4,3 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 266 professionellen Anlegern und Analysten mitteilte. Es war der zweite Anstieg in Folge. Dennoch liegt das Barometer noch weit unter seinem langfristigen Durchschnittswert von 26,8 Punkten. Die Lage beurteilten die Experten so gut wie seit Juli 2007 nicht mehr.

RISIKO CHINA

Allerdings haben Fachleute auch Risiken klar vor Augen: ZEW-Präsident Wolfgang Franz nannte die Euro-Schuldenkrise und steigende Zinsen in China. Beides könne die deutschen Exporte belasten. Das Ifo sieht ebenfalls die Gefahr einer Verschärfung der Schuldenkrise. Zudem könnten Einbrüche an den Immobilienmärkten in den USA und China den globale Aufschwung dämpfen.

Auch die Chemiebranche schaltet nach einer rasanten Aufholjagd dank der Konjunkturerholung im kommenden Jahr einen Gang zurück. "Die deutsche Chemie wird weiter wachsen, aber wesentlich langsamer als 2010", kündigte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) und Evonik-Chef Klaus Engel an. Deutschlands viertgrößter Industriezweig rechnet für 2011 mit einem Umsatzwachstum von vier Prozent und einem Anstieg der Chemieproduktion von 2,5 Prozent.

 
<p>Head of the German Insititute for Economic Research (Ifo) Hans-Werner Sinn gestures during a news conference in Munich, December 11, 2008. REUTERS/Alexandra Beier</p>