Deutsche Bankenaufsicht warnt vor Übertreibung bei Regulierung

Freitag, 14. Januar 2011, 07:28 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Präsident der deutschen Finanzaufsicht fordert seine ausländischen Kollegen auf, bei der Auswahl weltweit systemrelevanter Banken genau hinzusehen.

Er hoffe auf eine objektive Auswirkungsstudie im Frühjahr, um die etwa 25 Großbanken-Gruppen zu ermitteln, deren Zusammenbruch das ganze Finanzsystem ins Wanken bringen könnte, sagte BaFin-Chef Jochen Sanio auf dem Neujahrsempfang der Behörde am Donnerstag in Frankfurt. Es gebe bisher keine überzeugende Methode, mit der sich solche - G-SIFI genannten - Institute ermitteln ließen. Diese Banken müssen mit zusätzlichen Aufschlägen auf die ohnehin erhöhten Kapitalanforderungen nach "Basel III" rechnen; aus Deutschland dürfte dazu die Deutsche Bank gehören.

Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnte davor, Topbanken zu Instituten mit nur regionaler Bedeutung umzudefinieren, um den Aufschlägen zu entgehen. Sanio sprach sich für einen einheitlichen Kapital-Aufschlag für die G-SIFIs aus, "der sich in einem vernünftigen Rahmen hält. Denn es muss für Kapitalanforderungen dann doch irgendwo eine Obergrenze geben." Im Baseler Ausschuss von Bankenaufsehern aus 27 Ländern ist die Auswahl der G-SIFIs umstritten, die bis Mitte des Jahres feststehen sollen.

Sanio befürchtet, dass die verschärften Eigenkapitalregeln ("Basel III") zu einer Zweiklassengesellschaft unter den Banken führen wird. Wenn zu viele Banken in die zweite Liga abstiegen, drohe "eine brutale Form von Finanzdarwinismus". Von den daraus entstehenden Finanzgiganten ginge ein noch höheres Systemrisiko aus. "Ich glaube (...) nicht, dass sich das Systemrisiko durch Kapitalzuschläge in Wohlgefallen auflöst", sagte der BaFin-Chef.

Durch die erhöhte Kapitalunterlegung drohten Geschäfte - wie die Verbriefungsaktivitäten - von Banken zu "Schattenbanken" abzuwandern, die von der Regulierung noch nicht erfasst werden, mahnte Sanio. "Wir müssen dieses gefährliche Spiel stoppen, indem wir die Schattenspieler durch harte Regeln an die Kandare legen, sonst wird der Schattenbankenbereich der Wachstumssektor der Finanzindustrie."

 
<p>The skyline of Frankfurt is pictured under clouds August 7, 2010. REUTERS/Alex Domanski</p>