Sorge um Frankreichs Bonität erschwert Euro-Rettung

Dienstag, 18. Oktober 2011, 13:41 Uhr
 

Paris (Reuters) - Im Kampf gegen die Schuldenkrise könnte Euro-Schwergewicht Frankreich zur Schwachstelle werden.

Das Land muss nach Darstellung der Ratingagentur Moody's um seine Spitzenbonität bangen. Die Agentur stellte fest, sollten die Belastungen etwa durch Hilfen für die heimischen Banken oder andere Euro-Zonen-Länder die Staatsfinanzen zu stark belasten, werde der Ausblick binnen drei Monaten auf "negativ" gesetzt. Sowohl wirtschaftliche als auch fiskalische Reformen seien entscheidend, damit Frankreichs Bestnote "AAA" auch weiterhin mit einem stabilen Ausblick versehen werden könne.

Die Moody's-Warnung sorgte am Dienstag für Kursverluste an den Börsen und einen kräftigen Anstieg der Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen. Beim EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel sollen weitreichende Schritte gegen die Schuldenkrise vorgestellt werden, vor allem was die Bewältigung der Schuldenlast Griechenlands angeht.

Sollte sich die Bonität Frankreichs in naher Zukunft verschlechtern, wäre auch der Beitrag des Landes zum EU-Rettungsschirm EFSF in Gefahr. "Ein Verlust des Triple-A-Ratings für Paris hätte zur Folge, dass das gesamte Konstrukt des EFSF in seiner jetzigen Form nicht mehr haltbar ist", sagte der Chef des Centrums für Europäische Politik (CEP), Lüder Gerken, der "Rheinischen Post". Auch andere Experten warnten vor einer Herabstufung Frankreichs. "Das wäre ein Schock und würde den Euro-Rettungsplan zunichtemachen", sagte HWWI-Chef Thomas Straubhaar der "Osnabrücker Zeitung".

BAROIN: RATING IST NICHT IN GEFAHR

Die Regierung in Paris betonte unterdessen, das Rating des Landes sei nicht in Gefahr. Finanzminister Francois Baroin sagte dem TV-Sender France 2, sein Land sei bei der Verabschiedung von Maßnahmen zum Defizitabbau dem Zeitplan sogar voraus. Allerdings räumte er ein, die Wachstumsprognose für das kommende Jahr sei mit 1,75 Prozent angesichts der schwachen Wirtschaftsaussichten "wahrscheinlich zu hoch". Eine Anpassung der Prognose sei deswegen zu einem späteren Zeitpunkt nötig.

Deutschland und Frankreich sind das Rückgrat des 440 Milliarden Euro schweren EFSF-Rettungstopfes und arbeiten derzeit mit Hochdruck an Schritten zur Krisenlösung. Standard & Poors's und Fitch, die beiden anderen wichtigen Agenturen neben Moody's, hatten im August ihre Einstufung Frankreichs mit "AAA" bekräftigt.

Frankreichs Banken sind besonders stark in Griechenland engagiert. Europaweit gerät die Finanzbranche immer stärker unter Druck. Zum einen soll sie einen höheren Beitrag der Rettungskosten übernehmen, zum anderen könnte die Politik den Banken vorsorglich eine Zwangskapitalisierung verordnen. Die Geldhäuser stellen sich jedenfalls bereits auf höhere Griechenland-Belastungen ein. Die Analysten der Deutschen Bank rechneten in einer Studie vor, dass mit kleinen Änderungen an dem im Juli ausgehandelten Rettungspaket auch Abschreibungen auf Hellas-Bonds von 40 Prozent statt der ursprünglich beschlossenen 21 Prozent möglich wären. Dazu könne man den Zinskupon herabsetzen, die Laufzeit der Anleihen verlängern oder aber den Nennwert reduzieren. Der Vorteil dieser Lösung wäre nach ihrer Einschätzung, dass das Rettungspaket nicht wieder aufgeschnürt werden müsste und ein Zahlungsausfall Griechenlands verhindert würde. Zusammen mit einem Rekapitalisierungsplan für die Banken könne eine weitere Ausbreitung der Schuldenkrise verhindert werden.