Draghi: EZB will Euro-Zone vor Kreditklemme bewahren

Donnerstag, 15. Dezember 2011, 17:12 Uhr
 

Berlin (Reuters) - EZB-Chef Mario Draghi hat die jüngsten Krisenmaßnahmen der EZB mit der Abwehr einer drohenden Kreditklemme gerechtfertigt.

Die "allgemeine Nervosität" und die Vertrauenskrise im Bankensektor erinnerten fatal an die Zeit nach der Lehman-Pleite, warnte Draghi am Donnerstag in Berlin. Mit üppigen Liquiditätslinien für die Banken solle insbesondere der Kreditkanal für kleinere und mittlere Betriebe offengehalten werden. Diese bildeten in Europa das Rückgrat der Wirtschaft, betonte Draghi.

Den Banken komme auf dem alten Kontinent zudem eine zentrale Aufgabe bei der Firmenfinanzierung zu. Anders als in den USA, wo sich Unternehmen das Geld zumeist über Firmenanleihen am Markt besorgten, holten sich die europäischen Firmen Liquidität bei der Bank. Doch genau hier drohten aus Sicht Draghis Engpässe: "Banken in der Euro-Zone sind jüngst unter Druck geraten, was ihre Kapitalbasis und ihre Finanzierungsbedingungen betrifft", sagte Draghi.

Ziel der Liquiditätsmaßnahmen der EZB sei es daher, dass Haushalte und Firmen unter den gegeben Umständen "so effektiv wie möglich an Darlehen kommen", sagte Draghi. Bereits "binnen Wochen und Monaten" würden die Impulse der EZB im Finanzsektor spürbar wirken.

BANKEN SOLLEN BEI KREDITLINIEN OHNE SCHEU ZUGREIFEN

Allerdings sei das EZB-Programm "starkem Gegenwind" ausgesetzt, der durch das "Deleveraging" der Banken erzeugt werde - also dem Abbau von Fremdkapital in der Krise. Draghi ermunterte die Finanzbranche ausdrücklich, die jüngst aufgestockten Kreditlinien der Europäischen Zentralbank (EZB)ohne Scheu zu nutzen. "Wir sehen nicht, dass der Gebrauch der Kreditlinien der Zentralbank mit einem Stigma verbunden ist", sagte Draghi: "Sie sind dazu da, um genutzt zu werden."

Die EZB stellt den Banken erstmals Liquidität mit einer Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung. Die Banken müssen zudem weniger Geld als Sicherheit bei der EZB hinterlegen, wodurch mehr Kredite ausgereicht werden können. Die sogenannte Mindestreserveanforderung wird zudem auf ein Prozent halbiert. "Dies Maßnahme setzt Liquidität von rund 100 Milliarden Euro im Bankensektor frei", sagte Draghi.

Der EZB-Chef verwies jedoch zugleich darauf, dass die Zentralbank "nur eine Antwort auf ein komplexes Problem" gegeben habe. Besonders die Politik sei gefordert, nach den europäischen Gipfelbeschlüssen "klare und unmissverständliche Botschaften" zu liefern. "Danach heißt es umsetzen und liefern", forderte der EZB-Chef.

Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen Diplomaten zufolge vom 7. bis 8. Februar zu einem weiteren Gipfel in Brüssel zusammenzukommen. Der Termin sei allerdings noch nicht offiziell bestätigt, sagte ein EU-Diplomat in Brüssel. Am Vortag hatten Deutschland und Frankreich ein Gipfeltreffen zu den Themen Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsmarkt angeregt.   Fortsetzung...

 
<p>European Central Bank (ECB) President Mario Draghi gives the Ludwig Erhard Lecture discussion in Berlin, December 15, 2011. REUTERS/Fabrizio Bensch</p>