Einigung zwischen Griechen und Privatgläubigern dauert

Samstag, 21. Januar 2012, 16:30 Uhr
 

London/Athen (Reuters) - Die von Griechenland mit Hochdruck angestrebte Einigung mit seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt lässt auf sich warten.

Die direkten Gespräche zwischen Regierung und Internationalem Bankenverband IIF wurden nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen am Samstag unterbrochen. Die Verhandlungen würden am Wochenende telefonisch fortgesetzt, so dass eine Vereinbarung wahrscheinlich frühestens kommende Woche erreicht werden könne. IIF-Chefunterhändler Charles Dallara und sein Sonderberater Jean Lemierre seien nach zweitägigen Verhandlungen am Morgen nach Paris zurückgeflogen.

"Die Materie ist kompliziert. Es gab zwar eine Annäherung bei den Zahlen, aber es ist noch einige Arbeit zu tun", sagte ein Informant. Die Griechen wollten eine Einigung unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen, damit noch genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt. Ein mit den Verhandlungen vertrauter Banker sagte der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht, erst am Montag werde endgültige Klarheit über die Gültigkeit einer Einigung herrschen. "Die Minister werden sich den Vorschlag ansehen und dann darüber entscheiden. Wenn sie ihn ablehnen, müssen wir zurück an den Verhandlungstisch."

Ein vorläufiger Kompromiss würde bis auf weiteres einen Staatsbankrott des südosteuropäischen Euro-Landes verhindern. Für die privaten Gläubiger dürfte eine Übereinkunft aber mit einem Forderungsverzicht von 65 bis zu 70 Prozent verbunden sein. Im Gegenzug sollen ihnen nach Angaben eines Bankenvertreters Staatsanleihen mit einer 30-jährigen Laufzeit und einer Verzinsung von durchschnittlich vier Prozent angeboten werden.

Die angestrebte Einigung mit den privaten Gläubigern - neben Banken sind das Versicherer und Hedgefonds - ist Teil eines Entschuldungsplans für Griechenland. Die Regierung in Athen feilscht bereits seit Monaten mit dem IIF über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger. Der Schuldenschnitt ist die Voraussetzung dafür, dass das Euro-Land dringend benötigte Mittel aus einem 130 Milliarden Euro schweren Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten kann. Ohne das Geld droht dem Land bereits im März ein ungeordneter Bankrott, wenn Staatsanleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro bedient werden müssen. Im Gegenzug für die Hilfen muss sich das Ägäisland jedoch zu weiteren Reformen verpflichten.