Deutsche Konsumenten trotz Krise im Stimmungshoch

Donnerstag, 26. Januar 2012, 15:03 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Stimmung der deutschen Konsumenten ist trotz Schuldenkrise und Konjunkturflaute so gut wie seit fast einem Jahr nicht mehr.

Sie wollen wieder größere Einkäufe wagen, setzen auf anziehende Konjunktur und steigende Einkommen. Das GfK-Barometer für Februar kletterte um 0,2 auf 5,9 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit März 2011, wie die Nürnberger Marktforscher am Donnerstag mitteilten.

"Die Konsumenten stemmen sich weiter gegen zunehmende Konjunkturrisiken sowie die anhaltende Schuldenkrise im Euroraum", sagte GfK-Experte Ralf Bürkl. Da auch die Stimmung der Firmen zuletzt drei Mal in Folge zulegte, hält es Wirtschaftsminister Philipp Rösler für "immer wahrscheinlicher, dass Deutschland die gegenwärtige wirtschaftliche Schwächephase zügig hinter sich lässt und sich der Aufschwung fortsetzt".

DEUTSCHE IN KONSUMLAUNE - ITALIENER IM STIMMUNGSTIEF

Deutschland steht derzeit konjunkturell besser da als viele seiner wichtigsten Handelspartner. Das färbt auch auf die Konsumenten ab. Frankreichs Verbraucher zeigten sich zum Jahresauftakt etwas optimistischer. Der Index für das Konsumentenvertrauen stieg im Januar zwar auf 81 Punkte, blieb aber seit mehr als vier Jahren unter dem langjährigen Schnitt von 100 Zählern. Allerdings kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Dezember auf den höchsten Stand seit mehr als zwölf Jahren.

In Italien drückt die harsche Sparpolitik der Regierung unter Mario Monti mächtig auf die Kauflaune. Das Barometer für das Konsumenten-Vertrauen blieb im Januar auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Umfrage vor 16 Jahren. Monti will mit Reformen und Einsparungen das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Doch von der Konjunktur bläst der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone scharfer Gegenwind ins Gesicht: Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass Italiens Wirtschaftskraft 2012 um 2,2 Prozent schrumpft. Das schwache Geschäft in Südeuropa verhagelte auch der Modekette Hennes & Mauritz die Bilanz, die den Großteil ihres Umsatzes auf dem Kontinent macht.

Deutschland hingegen wird nach Ansicht des DIW-Instituts knapp an einer Rezession vorbeischrammen. Die 2000 von der GfK befragten Verbraucher zeigten sich den zweiten Monat in Folge zuversichtlicher für die Konjunkturperspektiven. Den größten Sprung nach oben machte aber der Index für die Kaufbereitschaft - um 14,4 auf 41,8 Punkte. Einen höheren Wert hatte es zuletzt im Dezember 2006 gegeben. Die wachsende Kauflust hat mehrere Gründe. "Zum einen sorgt die gute Beschäftigungsentwicklung unter den Arbeitnehmern für eine sinkende Angst vor Arbeitslosigkeit und stärkt damit die Planungssicherheit", sagte GfK-Experte Bürkl. Zudem sorge die nachlassende Inflation für Rückenwind. Die Deutsche Bank erwartet in diesem Jahr nur noch eine Teuerungsrate von etwa 1,5 Prozent, nach 2,3 Prozent 2011.

KONSUM STATT ALTERSVORSORGE

Auch die Banken- und Schuldenkrise schürt die Bereitschaft der Deutschen, Geld auszugeben. "Vor dem Hintergrund des fehlenden Vertrauens der Bundesbürger in den Finanzmarkt sowie der historisch niedrigen Zinsen tendieren die Verbraucher eher dazu, ihre finanziellen Mittel in werthaltige Anschaffungen zu stecken, anstatt sie auf die hohe Kante zu legen", sagte Bürkl. Viele Bürger verstärken einer Allensbach-Studie zufolge ihren Konsum sogar auf Kosten der Altersvorsorge. "Die Krise in der Euro-Zone führt dazu, dass die Bürger immer weniger das Gefühl haben, langfristig verlässlich planen und sparen zu können", betonte Allensbach-Chefin Renate Köcher. Dies kurble eher den kurzfristigen Konsum an als die langfristige Vorsorge. "In der Konkurrenz mit Hobbys, Reisen oder Ausgaben für die eigene Wohnung wird die Altersvorsorge oft zurückgestuft."