Commerzbank-Chef zweifelt an Freiwilligkeit des Schuldenschnitts

Donnerstag, 23. Februar 2012, 17:52 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Commerzbank-Chef Martin Blessing zweifelt als erster Spitzenbanker öffentlich an der Freiwilligkeit der historischen Umschuldung in Griechenland.

Die Regierung in Athen hatte sich mit dem Weltbankenverband IIF in dieser Woche auf eine Schuldenerleichterung von mehr als 100 Milliarden Euro geeinigt. Um eine maximale Beteiligung an der Vereinbarung sicherzustellen, will das Mittelmeerland die Gläubiger notfalls dazu zwingen. "Das ist ja so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition", kommentierte Blessing den Deal am Donnerstag lapidar. Er zog damit Parallelen zu Gerichten in Spanien, die bis ins 19. Jahrhundert Schuldeingeständnisse auch von Unschuldigen durch Folter erpresst haben.

Auch die Ratingagentur Fitch hat angesichts der Konstruktion des Schuldenschnitts Zweifel an der Freiwilligkeit geäußert und die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herabgestuft. Nun ist der Staat nur noch eine Stufe von der Note D entfernt, die Zahlungsunfähigkeit bedeutet. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte dagegen am Mittwoch die Freiwilligkeit der Vereinbarung betont, die er als IIF-Präsident persönlich mit ausgehandelt hat.

Wird der Schuldenschnitt von Ratingagenturen und bestimmten Brokern offiziell als nicht freiwillig eingestuft, hat das Folgen. Das löst dann automatisch Zahlungen an diejenigen aus, die Kreditausfallversicherungen (CDS) erworben haben, um sich gegen einen Ausfall Griechenlands abzusichern. Allerdings ist das CDS-Volumen bezogen auf griechische Staatsanleihen mit rund 2,5 Milliarden Euro mittlerweile überschaubar. "Damit ist die ursprüngliche Angst vor einer Kettenreaktion an den Finanzmärkten heute nicht mehr gegeben - zumal die Brandwälle um die anderen Krisenstaaten heute schon hoch genug zu sein scheinen", sagt ein Bankinsider.

Die Umschuldung soll über einen Anleihetausch über die Bühne gehen. Die Gläubiger - Banken, Versicherungen, Hedgefonds und andere Investoren - tauschen alte in neue Bonds mit längerer Laufzeit, geringerem Nennwert und niedrigerem Zins. Das führt bei den Anlegern zu Abschreibungen von mehr als 70 Prozent, was die großen Häuser wie Deutsche Bank, Commerzbank und Allianz bereits 2011 schon verbucht haben. Die Gläubiger haben bis spätestens 12. März Zeit, das Angebot anzunehmen - gerade noch rechtzeitig, bevor am 20. März 14,5 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden fällig werden.

Das griechische Parlament schuf am Donnerstag die rechtlichen Voraussetzungen für den Umtausch. Der entscheidende Passus in der Gesetzesvorlage betrifft die Einführung neuer Vertragsklauseln für die Bonds (sogenannte Collective Action Clauses). Damit werden die Konditionen der alten Staatsanleihen rückwirkend so geändert, dass eine Teilnahme an dem Schuldenschnitt von einer Mehrheit der tauschwilligen Gläubiger erzwungen werden kann.