Teures Benzin gefährdet gutes Konsumklima in Deutschland

Dienstag, 28. Februar 2012, 16:27 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Konjunkturflaute und hohe Benzinpreise können der guten Laune der deutschen Verbraucher noch immer wenig anhaben.

Die Stimmung unter den Konsumenten ist derzeit so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Das für März berechnete Konsumklima-Barometer kletterte von 5,9 auf 6,0 Punkte, wie die GfK-Marktforscher am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mitteilten.

Dem Aufwärtstrend droht aber bei weiter hohen Ölpreisen ein rasches Ende. "Es würde die Konsumfreude beeinträchtigen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Denn das Geld kann nur einmal ausgegeben werden." Ökonomen sehen dies ähnlich. "Das größte Risiko ist der Höhenflug der Ölpreise", warnte WestLB-Volkswirt Jörg Lüschow. "Sollte er noch eine Weile anhalten, wird ein Teil der Einkommenszuwächse wieder aufgezehrt." Erste Inflationsdaten aus den Bundesländern zeigen bereits, dass höhere Energiekosten die Verbraucherpreise im Februar nach oben getrieben haben.

GFK: VERBRAUCHER REAGIEREN SENSIBEL AUF TEURES TANKEN

Da die Weltkonjunktur schwächelt, ruhen die Hoffnungen derzeit auf dem privaten Konsum: Er soll der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr eigentlich ein kleines Wachstum von rund 0,5 Prozent retten, während die Gesamtleistung der 17 Euro-Länder wohl schrumpften dürfte. Für 2012 erwartet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen Anstieg des Privatkonsums um ein Prozent. "Er wird damit einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht in die Rezession abgleiten wird", betonten die Nürnberger Experten.

Sie befürchten aber auch, dass teures Tanken und Heizen die Deutschen vorsichtig macht. "Energiepreise, vor allem die Benzinpreise, haben eine gewisse Signalwirkung", sagt GfK-Experte Rolf Bürkl zu Reuters TV. "Hier reagieren die Verbraucher überaus sensibel."

Die Einzelhändler geben sich noch gelassen und setzen für 2012 auf ein Umsatzplus von nominal rund 1,5 Prozent. Der Branchenverband HDE hält das Konsumklima derzeit für stabil, räumt aber ein: "Überdurchschnittliche Preisanstiege bei Energie und Kraftstoff stellen natürlich ein Risiko für den Konsum dar, weil den Verbrauchern weniger zum Einkauf zur Verfügung steht", sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk zu Reuters.

Bereits Ende 2011 haben die Deutschen ihren Konsum überraschend gedrosselt. Da auch die Exporte nachließen, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 0,2 Prozent und damit erstmals seit fast drei Jahren. Die Konjunktur schätzen die Verbraucher im Februar laut GfK etwas skeptischer ein. Die Bereitschaft zu größeren Einkäufen bleibt trotz eines kleinen Dämpfers auf hohem Niveau.

VERBRAUCHER HOFFEN AUF HÖHERE TARIFABSCHLÜSSE

Für positive Stimmung bei den Verbrauchern sorgt die Aussicht auf höhere Einkommen und die Tatsache, dass die Angst vor einem Jobverlust schwindet. Das Teil-Barometer dazu kletterte auf den höchsten Wert seit Juni 2011. "Die Beschäftigen hoffen, dass bei den anstehenden Tarifverhandlungen die Lohn- und Gehaltszuwächse besser ausfallen werden als in der Vergangenheit", sagte Bürkl. Bei der Tarifrunde wird bald für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie verhandelt, die Gewerkschaft IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn. Für die Chemieindustrie verlangt die IG BCE ein Plus von sechs Prozent, für den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sollen es 6,5 Prozent mehr sein. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen plädierte jüngst für spürbare Lohnerhöhungen und stieß damit auf Kritik in den eigenen Reihen und im Arbeitgeberlager.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte 2012 um drei Prozent zulegen. Bei einer erwarteten Inflation von 1,8 Prozent bleibe unterm Strich ein deutliches Plus an Kaufkraft, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Die GfK-Daten belegen nach Ansicht von Wirtschaftsminister Philipp Rösler, dass die Binnennachfrage intakt ist: "Aufbauend auf der erfreulich robusten Zunahme der Beschäftigung werden die privaten Konsumausgaben im laufenden Jahr den größten Beitrag zum Wirtschaftswachstum liefern."

 
A combination picture shows price boards at various petrol stations in Dortmund February 23, 2011. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)