Druck auf Euro-Krisenländer wächst wieder

Dienstag, 28. Februar 2012, 17:33 Uhr
 

Frankfurt/Brüssel/Lissabon (Reuters) - Trotz der Hilfsbereitschaft der Euro-Partner geraten die Krisenländer Griechenland, Spanien und Portugal wieder stärker unter Druck.

Die Ratingagentur S&P stufte die Kreditwürdigkeit Griechenlands um weitere zwei Stufen herab - von CC auf "teilweise zahlungsunfähig" ("selective default"). Dadurch sah sich die Europäische Zentralbank am Dienstag zum Handeln gezwungen. Sie akzeptiert vorerst keine Staatsanleihen aus dem hochverschuldeten Land mehr, die Banken bisher als Pfand für EZB-Kredite hinterlegen konnten. Das trifft vor allem die griechischen Geldhäuser, die mit Abstand die meisten Hellas-Bonds in ihren Büchern haben.

In Spanien lief das Defizit im vergangenen Jahr noch stärker aus dem Ruder als befürchtet, und Portugal rutscht immer tiefer in die Rezession. Ermutigende Signale kamen dagegen aus Italien: Das Land konnte sich am Finanzmarkt so günstig frisches Geld besorgen wie seit August nicht mehr.

Die griechische Herabstufung und die EZB-Reaktion setzt vor allem den Banken des Landes zu. Sie erhalten von anderen Banken kaum noch Geld, weil diese um die Rückzahlung fürchten. Diese Liquiditätslücke wurde bislang über die EZB geschlossen. Von ihr bekamen die Institute frische Mittel, wenn sie griechische Bonds als Sicherheit hinterlegten. Da diese Quelle nun zumindest vorübergehend versiegt ist, können Sie noch ihre nationale Notenbank anzapfen. "Sie macht das dann auf eigene Rechnung", sagte Commerzbank-Analyst Michael Schubert. "Bei Verlusten haften andere Notenbanken wie etwa die Bundesbank nicht mit."

Standard & Poor's begründete die erneute Senkung der Kreditwürdigkeit mit dem eingeleiteten Schuldenverzicht der griechischen Gläubiger. Diese sollen über rückwirkende Umschuldungsklauseln notfalls dazu gezwungen werden, auf einen Großteil ihrer Ansprüche zu verzichten. So soll die Schuldenlast des pleitegefährdeten Staates gesenkt werden. Es ist ein zentrales Element des zweiten 130 Milliarden Euro schweren Rettungspakets, dass Banken, Versicherungen und Hedgefonds auf insgesamt 100 Milliarden Euro ihrer Forderungen verzichten.

"DIE LOGISCHE KONSEQUENZ"

Die rasche Reaktion der EZB kommt für Experten nicht überraschend. "Das ist die logische Konsequenz aus dem Schuldenschnitt und der erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands", sagte Schubert. Die EZB dürfe nach ihren Statuten nur Staatsanleihen als Sicherheit für Kredite akzeptieren, die mindestens ein "CCC"-Rating haben. Dieses kann Griechenland wieder erhalten, wenn der Bondtausch erfolgreich über die Bühne gegangen ist, stellte S&P in Aussicht. "Es ist durchaus möglich, dass dies nur ein kurzer Zahlungsausfall sein wird", sagte S&P-Analyst Moritz Krämer zu Reuters. Auch die EZB geht davon aus, dass die Lage bis Mitte März eine andere sein wird: Bis dann sollen alte griechische Staatsanleihen in neue umgetauscht werden, die mit milliardenschweren Garantien der Euro-Länder versehenen werden. Diese würde die EZB auch wieder als Pfand akzeptieren.

Der Derivate-Verband Isda prüft, ob der Schuldenschnitt einem sogenannten Kreditereignis gleichkommt. Sollte die internationale Vereinigung dieser Meinung sein, könnte dies zur Auszahlung griechischer Kreditausfallversicherungen (CDS) führen. Dies könnte Experten zufolge wie nach der Lehman-Pleite 2008 unvorhersehbare Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen.

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