Warburg-Ökonom: Euro nur noch schwer zu retten

Montag, 9. Juli 2012, 15:57 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Euro ist nach Ansicht der Hamburger Privatbank M.M. Warburg nur noch schwer zu retten - jedenfalls mit den klassischen Mitteln der Geld- und Finanzpolitik.

"Es dürften immer drastischere Schritte zur Rettung des Euro erforderlich werden, wenn ein unkontrollierter Zerfall der Währungsunion verhindert werden soll", sagte Warburg-Chefökonom Carsten Klude am Montag in Frankfurt. Hauptgrund dafür ist seiner Ansicht nach, dass die meisten europäischen Länder auf absehbare Zeit nicht einmal genügend Wachstum erzielen werden, um die in den vergangenen Jahren aufgetürmten Schuldenberge auch nur konstant zu halten.

"Viele Länder werden auch in diesem Jahr ihre Defizitziele verfehlen", prognostiziert Klude. Damit verschärft sich die Schuldenproblematik weiter. "Das Wachstum heute und in den kommenden drei bis vier Jahren ist viel zu gering, um die Schulden konstant zu halten" - von einer Verringerung der Schuldenlast ganz zu schweigen. Selbst dem Musterschüler Deutschland dürfte es nach Einschätzung des Bankökonomen nur sehr schwer, wenn überhaupt, gelingen, sich von dieser Entwicklung abzukoppeln. "Deutschland könnte es schaffen, dass das nicht so eintritt." Allerdings liegt auch hierzulande die Schuldenquote bei 82 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) - die Stabilitätskriterien des Maastrichter Vertrages erlauben aber nur maximal 60 Prozent.

Die jüngsten Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) helfen nach Ansicht Kludes ebenfalls nicht, um die Krise in der Euro-Zone abzumildern. Die EZB hatte vergangene Woche ihren Leitzins erstmals auf 0,75 Prozent gekappt und den Zins, den sie Banken zahlt, wenn diese bei ihr Geld parken, sogar auf null Prozent gesenkt. Damit versucht die Notenbank die Banken zu ermuntern, sich wieder gegenseitig Liquidität zu leihen statt sie wie bislang bei ihr zu parken. Klude glaubt, dass dieses Vorhaben misslingen wird: "Selbst negative Zinsen werden an dem Vertrauensproblem nichts ändern." Statt dessen führe eine immer expansivere Geldpolitik der Währungshüter über den Umweg des europäischen Rettungsschirms, der entsprechend der jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse zukünftig Banken rekapitalisieren kann, zu einem "äußerst brisanten Trend": "Im Endergebnis dürften diese Weichenstellungen zu einer weitreichenden Vergemeinschaftung von Schulden führen."