Hoffnungsschimmer in Athen - Industrie produziert mehr

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 18:00 Uhr
 

Berlin/Athen (Reuters) - In Griechenland wächst nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hoffnung auf eine Trendwende.

Griechische Medien reagierten positiv auf Merkels Auftritt, und die nationale Statistikbehörde Elstat meldete am Mittwoch, dass die Industrieproduktion im August erstmals seit mehr als vier Jahren wieder gestiegen sei. Die Bundesregierung mahnte aber weitere Reformen an. "Es ist klar, dass Griechenland mit einer gesteigerten Reformdynamik eine ganze Menge schon umgesetzt hat", sagte deren Sprecher in Berlin: "Es ist genauso klar, dass noch einiges umzusetzen bleibt."

Verantwortlich für das erste Industriewachstum seit April 2008 waren höhere Ausfuhren. Dem Statistikamt zufolge legte die Produktion im August zum Vorjahresmonat um 2,5 Prozent zu. Die Exportwirtschaft profitierte damit von gesunkenen Arbeitskosten. "Sektoren mit Exportorientierung wie die Pharma- und Metallbranche führten die Erholung an", sagte Volkswirt Nick Magginas von der National Bank. Die Industrieproduktion macht allerdings nur 15 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung aus. Insgesamt wird das griechische BIP 2012 Schätzungen zufolge um 6,5 Prozent schrumpfen nach einem Minus von 7,1 Prozent 2011.

Die internationale Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission überprüft derzeit die Finanzlage Griechenlands und wird wahrscheinlich im November einen Bericht darüber vorlegen. Ein positiver Bescheid ist die Voraussetzung dafür, dass das Land eine weitere Tranche von gut 30 Milliarden Euro aus einem 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket erhält. Wegen der Rezession und der schleppenden Umsetzung von Reformen hinkt Griechenland dem Sanierungsplan hinterher.

Merkel hatte sich am Dienstag in Athen über den Stand des Reformprogramms informiert, das Griechenland im Gegenzug für die Milliardenhilfen seiner Euro-Partner und des IWF abarbeiten muss. Griechische Medien reagierten überwiegend positiv auf den Besuch. Die Mehrheit der Zeitungen kommentierte, dass er eine Würdigung der harten Reformen sei.

"Mit ihrer gestrigen Reise nach Athen hat Angela Merkel die zweieinhalbjährige Isolation beendet", kommentierte die linke Zeitung "Ta Nea": "Sie kam, sie sah, sie versprach." Die konservative Zeitung "Kathimerini" titelte: "Unterstützung von Merkel, Wettrennen gegen die Zeit." Aber das griechische Problem könne nicht mit einem einzigen Besuch gelöst werden. "Trotzdem zeigt der Besuch der deutschen Kanzlerin und ihre Unterstützung für die griechischen Regierung, dass das Land in der letzten Phase ist, kurz vor dem ersehnten Licht am Ende des Tunnels."

Merkel hatte den Griechen bei einem von Massenprotesten begleiteten Kurzbesuch in Athen die Hilfe Deutschlands auf dem schmerzhaften Sparkurs zugesagt. "Ich bin zutiefst überzeugt, dass sich dieser schwere Weg lohnt, und Deutschland möchte dabei ein guter Partner und Freund sein", sagte sie. Allerdings ließ sie keine Bereitschaft zu Abstrichen an den Reformen erkennen.

Ihr Sprecher sagte, Merkel wisse, dass Griechenland auf einem sehr mühsamen Weg sei. Darauf sei das Land ein gutes Stück vorangekommen. Er betonte aber auch, dass der Besuch kein Ersatz für die Mission der Troika gewesen sei.

Der Reformkurs bleibt in dem Land umstritten. Die größten Gewerkschaften riefen für den 18. Oktober zu einer 24-stündigen Protestaktion gegen die rigiden Sparmaßnahmen der Regierung auf. Mit dem landesweiten Streik solle die Regierung zu einem Kurswechsel gedrängt werden, sagte ein Gewerkschafter. Zeitgleich findet ein Gipfel der Europäischen Union statt.

 
Police try to disperse protesters during a violent protest against the visit of Germany's Chancellor Angela Merkel in Athens October 9, 2012. Tens of thousands of angry Greek protesters filled the streets of Athens on Tuesday to greet German Chancellor Angela Merkel, who offered sympathy but no promise of further aid on her first visit since the euro crisis erupted three years ago. REUTERS/Grigoris Siamidis (GREECE - Tags: POLITICS BUSINESS)