EZB prüft Kreditvergabe gegen spanische Anleihen

Sonntag, 4. November 2012, 14:38 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft derzeit, ob sie bei der Vergabe von Krediten an Geschäftsbanken gegen ihre eigenen strengen Regeln verstoßen hat.

Das bestätigte eine EZB-Sprecherin am Sonntag.

Die Zeitung "Welt am Sonntag" hatte berichtet Geschäftsbanken hätten von der Notenbank Kredite von bis zu 16,6 Milliarden Euro erhalten, obwohl sie das Geld nicht hätten bekommen dürfen. Die dafür als Sicherheiten verpfändeten spanischen Staatsanleihen erfüllten die Anforderungen der Zentralbank nur teilweise.

Als Beispiel nennt das Blatt die Bewertung spanischer Staatsanleihen mit bis zu 18 Monaten Laufzeit, sogenannte T-Bills. Bei der EZB würden sie in der höchsten Bonitätsklasse geführt. Das bedeute, dass die EZB für diese Papiere nur mit einem Risikoabschlag von 0,5 Prozent kalkuliere, schreibt die Zeitung. Doch die T-Bills erfüllten die Bedingungen für diese erste Bonitätsklasse nicht mehr. Papiere über 66,5 Milliarden Euro seien eigentlich nur zweitklassig und müssten daher nach den EZB-Regeln mit einem höheren Abschlag von 5,5 Prozent versehen werden, was deutlich weniger Kredit für die Banken bedeuten würde.

 
Window cleaners are seen on a building next to the Euro currency sign of the European Central Bank (ECB) in Frankfurt October 19, 2012. REUTERS/Lisi Niesner