Pharmakonzerne wollen Griechenland entgegenkommen

Montag, 5. November 2012, 07:54 Uhr
 

London (Reuters) - Wegen der anhaltenden Schuldenkrise ist die internationale Pharmaindustrie zu Zugeständnissen an Griechenland bereit.

Der europäische Branchendachverband Efpia bietet der Regierung in Athen eine Deckelung der Medikamentenkosten an, wie aus einem Schreiben an die Ministerien für Gesundheit und Finanzen hervorgeht, das Reuters vorlag. Demnach soll die Rechnung der Firmen in diesem Jahr insgesamt nicht mehr als 2,88 Milliarden Euro betragen. Im Gegenzug soll sich die Regierung verpflichten, ihre Schulden komplett zu begleichen und zusagen, dass es keine weiteren Rückstände gibt.

Ziel der vorgeschlagenen Vereinbarung ist es, einerseits die Medikamentenversorgung des klammen Landes sicherzustellen und andererseits die Gewinne der Pharmaunternehmen zu schützen. Die Zahlungsprobleme des staatlichen Gesundheitssystems drohen Löcher in die Bilanzen zu reißen. Im vergangenen Monat hatte die griechische Regierung in einem äußerst ungewöhnlichen Schritt eine Aussetzung der Arzneiexporte verfügt, um Engpässe zu verhindern.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck liefert das Krebsmedikament Erbitux nicht mehr an griechische Krankenhäuser. Bereits im Juni hatte der auf Blutplasmaprodukte spezialisierte Pharmakonzern Biotest entschieden, wegen unbezahlter Rechnungen in Millionenhöhe seine Lieferungen nach Griechenland einzustellen.

Efpia-Generaldirektor Richard Bergstrom erläuterte, andere Vereinbarungen zur Stabilisierung der Medikamentenversorgung habe es bereits mit Portugal, Irland und Belgien gegeben. Das Modell könne auch anderen Regierungen angeboten werden.

 
Greek doctor Eleni Kakalou poses at an entrance of Evangelismos General Hospital in Athens October 16, 2012. REUTERS/Yorgos Karahalis