Spanien droht auch 2013 Konjunktureinbruch

Dienstag, 6. November 2012, 12:58 Uhr
 

Madrid (Reuters) - Spanien droht eine härtere und längere Durststrecke. Die EU-Kommission sagt dem Land einem Medienbericht zufolge für 2013 einen stärkeren Konjunktureinbruch voraus als ihn die Regierung in Madrid erwartet.

Ministerpräsident Mariano Rajoy hingegen geht davon aus, dass sein Land die wirtschaftliche Talsohle in diesem Jahr hinter sich lässt. "2014 wird es Wachstum in Spanien geben. 2012 wird das schlimmste Jahr gewesen sein und das nächste Jahr wird besser werden", sagte Rajoy am Dienstag in einem Hörfunk-Interview. Größtes Problem für die Wirtschaft seien Finanzierungsengpässe. Ob Spanien einen Antrag auf europäische Hilfsgelder stellen wird, ließ Rajoy erneut offen.

MADRIDER REGIERUNG OPTIMISTISCHER ALS EU-KOMMISSION

Die EU-Kommission legt am Mittwoch in der Herbstprognose ihre Schätzungen für den Konjunkturverlauf in den EU-Ländern vor. Nach einem Zeitungsbericht sagt die Brüsseler Behörde Spanien für 2013 einen dreimal so starken Rückgang der Wirtschaftsleistung voraus wie die Regierung in Madrid. Das Bruttoinlandsprodukt werde demnach um 1,5 Prozent fallen, berichtete die Tageszeitung "El Pais" unter Berufung auf den Entwurf der Kommission. Die Regierung geht nur von einem Minus von 0,5 Prozent aus. Für dieses Jahr rechnet die Kommission mit minus 1,6 Prozent. 2014 erwartet sie demnach ein Wachstum von 0,5 Prozent, während die Regierung dann sogar ein Plus von 1,2 Prozent anpeilt. Auch für den Abbau des spanischen Staatsdefizits sind die Experten in Brüssel deutlich pessimistischer als Rajoy und sein Kabinett.

Spaniens Wirtschaft kommt nach dem Platzen der Immobilienblase und der Finanzkrise nur schwer wieder auf die Beine. Derzeit steckt das Land tief in der Rezession und Rajoys Sparkurs bremst das Wachstum zusätzlich. Dies signalisieren auch neue Daten vom wichtigen Dienstleistungssektor. Die Service-Firmen verbuchten wie seit 16 Monaten schrumpfende Geschäfte, wie aus einer Markit-Umfrage hervorgeht.

Für seine schwächelnden Banken hat Spanien bereits Milliarden-Hilfen seiner Euro-Partner beantragt. Ein weiteres Hilfsgesuch scheut die Regierung aber, denn sie fürchtet im Gegenzug harte Reformauflagen. Ein Anzapfen des Euro-Rettungsschirms ist aber die Voraussetzung dafür, dass die Europäische Zentralbank spanische Staatsanleihen kauft und damit die Zinskosten des Staates drücken könnte.

RAJOY: "DANN WÄRE DAS GANZE NICHT SINNVOLL"

Entscheidend sei aber, ob das Anleihenkauf-Programm die Finanzierungskosten auch wirklich senken würde, betonte Rajoy. "Das Problem sind nicht nur die Bedingungen, sondern die Frage, um wie viel sich die Risikoaufschläge verringern würden", sagte er. Sollte sich der auch Risikoaufschlag genannte Zinsabstand zwischen einer deutschen und einer spanischen Anleihe von rund vier nicht auf zwei Prozentpunkte verringern, "dann wäre das Ganze nicht sinnvoll". Derzeit liegt die Rendite für einen 10-jährigen spanischen Bond um gut vier Prozentpunkte über dem der deutschen Bundesanleihe.

Eine neue Nagelprobe an den Finanzmärkten steht Spanien am Donnerstag bevor. Das Land will dann Anleihen über bis zu 4,5 Milliarden Euro an Investoren verkaufen. Erstmals seit Mitte 2011 will Spanien wieder ein 30-jähriges Papier platzieren.

- von Tracy Rucinski

 
Spain's Prime Minister Mariano Rajoy waits before delivering a speech on the results of the last European Council at the Spanish parliament in Madrid October 31, 2012. REUTERS/Andrea Comas (SPAIN - Tags: POLITICS BUSINESS)