Wirtschaftsweisen warnen vor dauerhaften Rettungshilfen der EZB

Dienstag, 6. November 2012, 18:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Wirtschaftsweisen warnen vor dauerhaften Rettungshilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Schuldenkrise.

"Die Aktivitäten der EZB dürfen allenfalls eine Notlösung sein und auf keinen Fall zu einem dauerhaften Stabilisierungsmechanismus werden", zitiert das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe) vorab aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats. Der Rat lobe jedoch in seinem Gutachten die Arbeit der EZB grundsätzlich, diese habe "mit ihren unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen das europäische Finanzsystem stabilisiert und einen bedeutenden Beitrag zur Stützung der Banken" geleistet. Das Gutachten soll am Mittwoch offiziell vorgestellt werden.

Der EZB-Rat hatte im September neue, an Bedingungen geknüpfte, aber im Volumen unbegrenzte Anleihekäufe beschlossen. Kritiker werfen der EZB vor, dass sie dadurch den Druck von den Krisenländern nimmt, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen und Schulden abzubauen.

Die Schwere der Krise ist der Zeitung zufolge den Ökonomen bewusst: "Die Europäische Währungsunion befindet sich trotz erster Lichtblicke in einer Vertrauenskrise von systemischem Ausmaß", zitierte das Blatt die Wirtschaftsweisen. Drei Problemfelder seien miteinander verknüpft und verstärkten sich gegenseitig: eine Staatsschulden-, eine Banken- und eine makroökonomische Krise. Ihr Gegenrezept: "Maastricht 2.0". Diesen Vorschlag, den der Wirtschaftsweise und Sprecher des Kronberger Kreises, Lars Feld, bereits vor einigen Wochen gemacht hatte, sieht drei Säulen vor: "eine für die fiskalische Stabilität mit nationaler Verantwortung, eine für die Stabilität des privaten Finanzsystems mittels einer Bankenunion und eine Säule für das Krisenmanagement, die eine Insolvenzordnung für Mitgliedstaaten umfasst", zitiert das Blatt aus dem Gutachten.

 
German economic advisors, also known as 'the five wise men' (L-R) Bert Ruerup, Beatrice Weder Di Mauro, Peter Bofinger, Wolfgang Wiegard and Wolfgang Franz wait for a news conference at the federal Chancellery in Berlin November 12, 2008. REUTERS/Johannes Eisele