EU-Prognose: Spaniens Defizit bleibt weit über drei Prozent

Mittwoch, 7. November 2012, 13:04 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Spanien kämpft nach Einschätzung der EU-Kommission noch mindestens zwei Jahre lang mit einem hohen Haushaltsdefizit.

Anders als von der Regierung in Madrid selbst berechnet, werde die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auch 2014 mit einem Haushaltsloch von 6,4 Prozent weit vom vereinbarten Defizitziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfernt sein, sagte die EU-Kommission am Mittwoch in ihrer Herbstprognose voraus. Im kommenden Jahr erreicht es demnach 6,0 Prozent, in diesem Jahr 8,0 Prozent. Spanien steht an der Schwelle des europäischen Rettungsfonds ESM, hat zuletzt aber wiederholt signalisiert, keine Hilfen zur Bewältigung seiner Krise zu brauchen.

Die wirtschaftlichen Aussichten des Landes sind der Prognose zufolge deutlich schlechter als bislang von der Regierung in Madrid eingeschätzt. Die Talfahrt setze sich im kommenden Jahr im selben Tempo fort wie zuletzt, prognostizierte die Kommission. Demnach schrumpft die Wirtschaftsleistung in diesem und im nächsten Jahr um 1,4 Prozent. 2014 könnte das Land zu einem Wachstum von 0,8 Prozent zurückkehren.

Der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft Italien geht es besser: Sie wird der Prognose zufolge im kommenden Jahr nur noch um 0,5 Prozent schrumpfen, nach einem Minus von 2,3 Prozent in diesem Jahr. 2014 werde das Land zu Wachstum zurückkehren und das BIP um 0,8 Prozent zulegen. Die Regierung in Rom erwartet bislang ein Plus von 1,1 Prozent für das übernächste Jahr. Gebremst werde die Entwicklung durch die Unsicherheit an den Märkten, erklärten die Konjunkturexperten der Kommission. Italien wünscht sich seit längerem, dass der spanische Nachbar seinen Teil zur Beruhigung der Investoren beiträgt und sich mit europäischen Hilfen stärkt. Italien wird der EU-Prognose zufolge das Defizitziel kontinuierlich einhalten: Das Minus erreicht demnach in den kommenden beiden Jahren jeweils 2,1 Prozent des BIP nach 2,9 Prozent in diesem Jahr.