Handel erwartet Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft

Donnerstag, 8. November 2012, 12:33 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutschen Einzelhändler erwarten wegen steigender Löhne und niedriger Arbeitslosigkeit einen Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft.

Die Einnahmen würden im November und Dezember erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro übertreffen, prognostizierte der Branchenverband HDE am Donnerstag in Berlin. Das Vorjahresergebnis von 79,2 Milliarden Euro werde um 1,5 Prozent oder 1,2 Milliarden Euro übertroffen. Im Gesamtjahr sollen die Umsätze ebenfalls um 1,5 Prozent auf knapp 428 Milliarden Euro zulegen.

"Die Deutschen haben mehr Geld in der Tasche, und sind auch bereit, einen Teil davon im Einzelhandel auszugeben", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Dafür sorgten neben höheren Löhnen vor allem die Rekordbeschäftigung. Auch die GfK-Konsumforscher erwarten deshalb einen guten Jahresendspurt. Die Stimmung der deutschen Verbraucher sei derzeit so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr, fanden sie bei ihrer monatlichen Umfrage heraus. "Es ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, dass der Konsum in den kommenden Monaten nachgibt", sagte Sanktjohanser.

ENERGIEPREISE WERDEN ZUM PROBLEM

Allerdings dürften die Einnahmen im wichtigen Weihnachtsgeschäft langsamer steigen als 2010 (+3,0 Prozent) und 2011 (+1,7 Prozent). Der HDE macht dafür steigende Energiekosten verantwortlich. Die Kaufkraft der Kunden werde wegen teurer Energie und Kraftstoffe um mehrere Milliarden Euro gedrückt. Die Handelsunternehmen müssten zudem allein 2013 rund 2,5 Milliarden Euro für den Ausbau erneuerbarer Energien bezahlen. "Die Energiepreise werden immer mehr zu einem echten Problem für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland", sagte Sanktjohanser. Die Deutschen würden schon heute so viel für Strom bezahlen wie für Möbel und Einrichtungsgegenstände.

Traditionell gefragt sind im Weihnachtsgeschäft Kosmetik, Parfüm, Uhren, Schmuck und Spielwaren. Besonders groß dürfte die Nachfrage nach Prognose des HDE bei ferngesteuerten Autos und Hubschraubern, Brettspielen, Espresso-Maschinen, digitalen Kameras, Tablet-Computern und Flachbildschirmen ausfallen.

ONLINE-HANDEL BRUMMT

Immer mehr Kunden lassen sich die Weihnachtsgeschenke nach Hause liefern. Fast jeder zehnte Euro soll im Online-Handel verdient werden, prognostiziert der HDE. Davon profitiert auch die Deutsche Post, die einen Großteil der Waren ausliefert. Sie will im Weihnachtsgeschäft mehr verdienen als vor Jahresfrist, kündigte Konzernchef Frank Appel an.

Der Einzelhandel gehört mit knapp drei Millionen Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Im November und Dezember sollen zusätzliche 30.000 Aushilfen für ein reibungsloses Geschäft sorgen.