OECD: China könnte USA 2016 als größte Wirtschaftsmacht ablösen

Freitag, 9. November 2012, 14:41 Uhr
 

Berlin/London (Reuters) - China könnte nach Ansicht der OECD die USA 2016 als größte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen.

Das bevölkerungsreichste Land der Erde dürfte zusammen mit Indien bis etwa 2025 ein größeres Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften als die sieben führenden Wirtschaftsnationen (G7), teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Freitag in ihrer Langfristprognose bis 2060 mit. "Schnell wachsende Schwellenländer werden in den kommenden 50 Jahren einen immer größeren Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung erbringen." Aufsteiger seien neben China und Indien auch Brasilien und Indonesien. Zurückfallen dürften neben dem rasch alternden Japan auch Europas Schwergewichte wie Deutschland.

Die Industriestaatengruppe OECD unterstellt in ihrer Projektion ein jährliches Wachstum der Weltwirtschaft um rund drei Prozent. Dabei dürften Schwellenländer aber deutlich stärker zulegen als die etablierten Industriestaaten. Die Verschiebung in Richtung Niedriglohnländer werde dort dazu beitragen, die Lebensstandards zu verbessern. "So dürfte sich etwa das Pro-Kopf-Einkommen in den ärmsten Ländern bis 2060 vervierfachen", erklärte die OECD. In China und Indien könnte es dann sogar auf das Siebenfache steigen. "In einem halben Jahrhundert wird die Kluft zwischen den Lebensverhältnissen in aufstrebenden und hoch entwickelten Nationen weniger ausgeprägt sein als heute." Allerdings dürften zwischen einzelnen Ländern klare Unterschiede bleiben.

DEUTSCHLAND FÄLLT AUCH HINTER MEXIKO UND RUSSLAND ZURÜCK

"Die Welt, in der unsere Kinder und Enkel leben werden, wird sich von unserer heutigen Welt fundamental unterscheiden", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria bei der Vorlage des Berichts. Um den Boom der Schwellenländer zu flankieren, müsse die Politik weltweit für mehr Bildung und Produktivität sorgen.

Die deutsche Wirtschaft wird dem Bericht zufolge spürbar zurückfallen. "Innerhalb Europas kommt auf Deutschland, Luxemburg und Österreich der größte Verlust an wirtschaftlicher Bedeutung zu." Deutschland stand nach OECD-Berechungen 2011 noch hinter den USA, China, Japan und Indien auf Rang fünf der größten Wirtschaftsmächte. Bis 2060 müsse das Land aber Brasilien, Indonesien, Mexiko, Russland und Frankreich vorbeiziehen lassen. Denn die OECD sagt der heimischen Wirtschaft in den nächsten 50 Jahren im Schnitt nur ein mageres Wachstum von 1,1 Prozent voraus. Bis dahin würde der Anteil Deutschlands an der globalen Wirtschaftsleistung auf 2,0 von 4,8 Prozent sinken und sich damit mehr als halbieren.