Japans Wirtschaft schlittert zurück in die Rezession

Montag, 12. November 2012, 12:17 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Gut eineinhalb Jahren nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe taumelt Japan wieder in die Rezession.

Asiens zweitstärkste Volkswirtschaft schrumpfte zwischen Juli und September erwartungsgemäß um 0,9 Prozent, wie die Regierung am Montag mitteilte. Gründe sind die globale Konjunkturabkühlung und die maue Auslandsnachfrage. "Die schwache Weltwirtschaft, der anhaltend starke Yen sowie der Inselstreit mit China haben die japanischen Exporte enorm belastet", sagte Commerzbank-Experte Marco Wagner. Die Ausfuhren fielen um fünf Prozent und damit so stark wie zuletzt im Frühjahr 2011. "Die japanische Wirtschaft befindet sich im Anschluss an das spektakuläre Aufholwachstum nach dem Erdbeben im vergangenen Jahr nun wieder im Tal der Tränen", sagte NordLB-Analyst Stefan Große.

Die Entwicklung dürfte den Druck auf die Notenbank aufrechterhalten, die Geldpolitik weiter zu lockern. "Die BIP-Daten bestätigen, dass die Wirtschaft in die Rezession gerutscht ist", sagte Analyst Tatsushi Shikano von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities und fügte hinzu, auch im Schlussquartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinken. Wirtschaftsminister Seiji Maehara räumte ein, das Land stecke womöglich in einer "Rezessionsphase". Deshalb forderte er die Zentralbank auf, die Wirtschaft mit einer lockeren Geldpolitik weiter zu stützen. Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa konterte umgehend, bei einem Leitzins nahe null reiche es nicht aus, die Märkte mit Geld zu fluten. Die Regierung ihrerseits müsse das Wachstumspotenzial der Wirtschaft mit Deregulierungen und Strukturreformen stärken.

HANDELSSCHWÄCHE BREMST INLANDSNACHFRAGE

Wachstum erwarten die meisten Experten erst wieder im nächsten Jahr. Die schwache Exportwirtschaft hat sich bereits auf die heimische Nachfrage übertragen, die als Wachstumsstütze ausfiel. Die Haushalte gaben im dritten Quartal 0,5 Prozent weniger aus, die privaten Unternehmensinvestitionen sanken sogar um 3,2 Prozent.

Japans Wirtschaft steht deutlich schwächer da als die amerikanische, die im Sommerquartal um rund 0,5 Prozent zulegte. Für die Euro-Zone hingegen erwarten von Reuters befragte Experten einen Rückgang von 0,2 Prozent. Dies wäre das zweite Minus-Quartal in Folge - nach gängiger Definition wäre das Währungsgebiet damit zurück in der Rezession.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sagt Japan für die nächsten 50 Jahre einen wirtschaftlichen Abstieg voraus. Die nach den USA und China derzeit drittgrößte Volkswirtschaft der Welt dürfte demnach bis 2060 - vor allem wegen ihrer alternden Gesellschaft - hinter Indien und Brasilien zurückfallen.

 
A Japanese flag flutters in front of a shipping container area, at a port in Tokyo November 12, 2012. REUTERS/Yuriko Nakao (JAPAN - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT POLITICS)