Außenhändler auf Rekordjagd - Börsenprofis skeptisch

Dienstag, 13. November 2012, 16:19 Uhr
 

Berlin/Mannheim (Reuters) - Die Exporteure bleiben auch 2013 auf Rekordjagd und setzen damit einen Kontrapunkt zu den Konjunktur-Pessimisten an den Börsen.

"Die Realwirtschaft in Deutschland steht auf gesunden Füßen und die Weltwirtschaft wird wieder etwas an Fahrt aufnehmen", gab sich Außenhandelspräsident Anton Börner am Dienstag in Berlin betont optimistisch. Der Branchenverband BGA erwartet für 2013 Rekorde bei Ein- und Ausfuhren. Dahinter steht die Hoffnung, dass die USA wirtschaftlich wieder durchstarten und auch China dem deutschen Exportmotor reichlich "Treibstoff" liefern wird. Einen Strich durch die Rechnung kann den Exporteuren jedoch die Euro-Krise machen. Die Börsenprofis treibt die Sorge um, dass eine Rezession in Euroland die hiesige Wirtschaft in den Abwärtsstrudel reißt.

Ein Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft wäre gar eine Katastrophe mit immensen ökonomischen und politischen Folgen, warnte auch Börner. Doch dieses Schreckensszenario ist für die deutschen Exporteure derzeit kein Thema. "Es geht uns heute so gut wie nie zuvor", sagte der BGA-Präsident in Berlin. Für das kommende Jahr rechnet er damit, dass sich das deutsche Ausfuhrwachstum auf fünf Prozent von geschätzten vier Prozent 2012 beschleunigt. Auch die Einfuhren sollten im nächsten Jahr mit 5,5 Prozent deutlich stärker zulegen als im laufenden Jahr mit drei Prozent. Schon 2012 soll im Außenhandel erstmals die Marke von zwei Billionen Euro geknackt werden.

"KEIN RAUM FÜR SCHWARZMALEREI"

"Insbesondere vom Ende des zehrenden Wahlkampfes in den USA erhoffen wir uns nicht nur neue Wachstumsimpulse für die US-Wirtschaft und eine konsequente Sanierung der Staatsfinanzen, sondern auch neue Anstöße für die Handelspolitik", sagte der BGA-Präsident. Auch aus China kämen starke Signale für weiteres Wachstum, vor allem vom künftigen Parteichef Xi Jinping. Einbußen muss der deutsche Handel allerdings derzeit im Geschäft mit vielen Euro-Krisenländern hinnehmen wie Griechenland und Italien. Wenig optimistisch äußerte sich Börner zu Italiens Aussichten. Dagegen erwartet er in Frankreich einen Kurswechsel zum Besseren im nächsten Jahr, obwohl es auch dort viele Risiken gebe.

Im September waren die deutschen Exporte so stark eingebrochen wie seit November 2009 nicht mehr. "Die Einbrüche schmerzen, aber sie haben nicht das Niveau aus der Finanzkrise", sagte Börner. "Für Schwarzmalerei ist trotz des aktuellen Rückgangs im Außenhandel kein Raum."

EUROKRISE BELASTET DEUTSCHE WIRTSCHAFT

Die Börsenprofis blicken dennoch überraschend skeptisch auf die Konjunktur. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten fiel im November überraschend um 4,2 auf minus 15,7 Punkte. Damit trübte sich die Stimmung erstmals seit August wieder ein, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mit.

ZEW-Chef Wolfgang Franz warnt, dass "die rezessiven Entwicklungen" in Euroland auf die exportlastige deutsche Volkswirtschaft durchschlagen können: "Dies dürfte die Konjunktur in Deutschland in den nächsten sechs Monaten belasten." Experten sehen zudem die von EZB-Chef Mario Draghi geschürten Hoffnungen schwinden, dass die Staatsschuldenkrise durch die bloße Ankündigung von Notenbank-Interventionen am Anleihenmarkt schnell abebben wird: "Schlechte Konjunkturdaten und die immer noch ausstehende Lösung in Griechenland und Spanien haben diese Hoffnung vorerst zunichte gemacht", so Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf.

Auch die Lage bewerteten die von dem Mannheimer Forschern befragten Experten schlechter als im Vormonat: Dieses Barometer fiel um 4,6 auf 5,4 Punkte. Zuletzt hat sich das Konjunkturbild deutlich eingetrübt: Industrieaufträge, Produktion und Exporte waren ebenfalls überraschend deutlich gefallen. Für die am Donnerstag anstehenden Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das abgelaufene dritte Quartal erwarten von Reuters befragte Ökonomen nur noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Im vierten Quartal könnte die Wirtschaftsleistung sogar erstmals seit Ende 2011 schrumpfen. Nach Einschätzung der von ZEW-Chef Franz geleiteten Wirtschaftsweisen ist damit die konjunkturelle Talsohle erreicht. Manche Bankenökonomen sind skeptischer: "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den Wintermonaten in die Rezession rutschen, ist gestiegen", warnt BHF-Ökonom Uwe Angenendt.

 
A van carrier transports a container at the container terminal "Burchardkai" of the Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) in the harbour of Hamburg on late October 17, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS MARITIME)