Bundesbank - Schuldenkrise bleibt Hauptrisiko für Finanzsystem

Mittwoch, 14. November 2012, 12:21 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Risiken für das deutsche Finanzsystem sind nach Ansicht der Bundesbank in den vergangenen zwölf Monaten nicht kleiner geworden.

"Sollte sich die Staatsschuldenkrise erheblich verschärfen, würde das natürlich auch das deutsche Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger am Mittwoch bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der deutschen Notenbank. Zwar hätten sich die Forderungen der deutschen Banken gegen die von der Schuldenkrise besonders betroffenen Länder zuletzt deutlich reduziert. "Dennoch weist das deutsche Bankensystem zur Jahresmitte 2012 nach wie vor erhebliche finanzielle Forderungen gegenüber Italien und Spanien auf, davon knapp 59 Milliarden Euro gegenüber den öffentlichen Haushalten beider Länder", heißt es in dem Bericht.

Lautenschläger und der für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnten davor zu glauben, die Schritte der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Krisenbekämpfung könnten auf Dauer für Beruhigung sorgen. Geldpolitik könne die Ursachen der Krise nicht beseitigen, sondern allenfalls Zeit kaufen, sagte Lautenschläger. Dombret warnte: "Die Nebenwirkungen der kurzfristigen Stabilisierung können sich mittel- bis längerfristig als Hypothek für die Finanzstabilität erweisen." Die Bundsbank läuft seit Monaten Sturm gegen den Beschluss des EZB-Rats vom September, Euro-Problemländern im Zweifelsfall mit massiven Staatsanleihekäufen unter die Arme zu greifen.

Zusätzlich zu den Risiken durch die Schuldenkrise sieht die Bundesbank Gefahren, die vom Immobilienmarkt auf das Finanzsystem überschwappen könnten. Zwar sei trotz des zum Teil deutlichen Immobilien-Preisanstiegs in einzelnen Ballungsgebieten noch kein rascher Aufbau von Risiken für die Finanzstabilität zu erkennen, sagte Dombret. "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen aber, dass es gerade im Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann." Sollte es zu solchen Preisblasen kommen, könne dies die Stabilität des Finanzsystems "erheblich gefährden".