Moody's - Irland benötigt wohl weitere Hilfsgelder

Donnerstag, 15. November 2012, 08:54 Uhr
 

Dublin (Reuters) - Irland benötigt nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's wahrscheinlich zusätzliche Finanzhilfen von seinen internationalen Geldgebern.

Wenn das derzeitige Programm im nächsten Jahr auslaufe, brauche das angeschlagene Euro-Mitgliedsland wohl zur Vorbeugung noch Unterstützung, teilte die US-Agentur am Dienstag mit. Der Sparkurs der Regierung sei zwar beeindruckend, aber von den Banken und der Schuldenkrise gingen noch Gefahren aus. Die Regierung musste der Wirtschaftflaute bereits Tribut zollen und kappte ihre Wachstumsprognosen für die kommenden drei Jahre. Sie will jedoch ihren rigiden Sparkurs nicht noch weiter verschärfen.

Moody's hatte im vergangenen Jahr als einzige Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit Irlands auf das Ramschniveau "Ba1" herabgestuft. Die Probleme der heimischen Banken hatten Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm EFSF gezwungen. Im Gegenzug für Hilfen von 85 Milliarden Euro verpflichtete sich die Regierung zu umfangreichen Reformen. Seit 2008 hat sie den Haushalt mit Steuererhöhungen und Einsparungen um 25 Milliarden Euro entlastet - das entspricht 15 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Die Regierung senkte ihre Wachstumsprognose für 2013 auf 1,5 von zuvor 2,2 Prozent, für 2014 auf 2,5 von 3,0 Prozent und für 2015 auf 2,9 von zuvor 3,0 Prozent. Um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden, will sie aber die Sparschraube nicht noch weiter anziehen. Im Gegensatz zu Moody's geht die Regierung in Dublin davon aus, dass das Land kein zweites Rettungspaket benötigt. Fünf von sechs im September von Reuters befragte Volkswirte halten ebenfalls weitere Finanzhilfen für überflüssig. Rückendeckung erhielt die Regierung von der Moody's-Rivalin Fitch: Sie lobte die bisherige Haushaltssanierung und hält die Bonität des Landes nun für stabil, nachdem sie bislang mit einer schlechteren Note gedroht hatte.