Draghi - Regierungen dürfen nicht zu lange auf EZB-Effekt zählen

Donnerstag, 15. November 2012, 13:10 Uhr
 

Mailand (Reuters) - Die unkonventionellen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Ankündigung massiver Staatsanleihenkäufe im Notfall haben der Euro-Zone nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi nur Zeit verschafft, die nun von den Regierungen schnell genutzt werden muss.

"Wir haben die zur Verfügung stehende Zeit verlängert, aber nicht ins Unendliche", sagte Draghi am Donnerstag in Mailand. Die Regierungen müssten nun die ihnen geschenkte Zeit nutzen, um die nach wie vor auf dem Euro lastenden Unsicherheiten zu beseitigen, mahnte er bei einem Vortrag an der Bocconi-Universität.

Um die Finanzen aller Euro-Länder wieder in Ordnung zu bringen seien Ausgabenkürzungen anstatt Steuererhöhungen das richtige Rezept, erklärte der Italiener. Insbesondere die am schlimmsten von der Schuldenkrise betroffenen Länder müssten alles tun, um ihre Glaubwürdigkeit wieder zurück zu gewinnen. Zuvor hatte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen auch die beiden größten Länder der Währungsunion, Deutschland und Frankreich, in die Pflicht genommen. Alle Euro-Staaten müssten ihre Hausaufgaben machen, forderte er in Berlin.