Spanien: Bankensanierung wird nicht so teuer wie befürchtet

Montag, 19. November 2012, 16:52 Uhr
 

Madrid (Reuters) - Trotz eines Berges an faulen Krediten in Rekordhöhe müssen die maroden Banken Spaniens die zugesagten Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds wohl bei weitem nicht ausschöpfen.

"Es sieht danach aus, als ob wir weniger als 40 Milliarden Euro dafür benötigen werden", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Miguel Temboury am Montag in Brüssel. Die sogenannte Troika aus EU, EZB und IWF hat Spanien, das wegen der angespannten Haushaltslage als nächster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gilt, Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt, um die heimischen Banken zu rekapitalisieren.

Die Quote der vom Ausfall bedrohten Darlehen in Spanien stieg im September auf das Rekordhoch von 10,5 Prozent des gesamten Kredit-Bestandes der Banken, wie aus Zahlen der Zentralbank hervorgeht. Die Summe der Kredite, bei der es zu einem Zahlungsverzug der Schuldner gekommen ist, kletterte im Vergleich zum August um 3,5 Milliarden auf 182,2 Milliarden Euro. Ministerpräsident Mariano Rajoy setzt auf eine Konsolidierung des Bankensektors, damit schwächere Institute in die Arme robuster Geldhäuser flüchten können. So könnte beispielsweise die vom Staat aufgefangene Catalunya Caixa bald vom Konkurrenten Sabadell geschluckt werden. Sabadell-Chef Jaime Guardiola sagte, die Bank prüfe einen Kauf.

BERICHT: SPANIEN MACHT EZB NERVÖS

Der Staat hat zwar mit dem Antrag auf Rettungshilfe für spanische Banken in Brüssel die Reißleine gezogen, doch behindert diese Notmaßnahme gleichzeitig den Schuldenabbau. Da die Bankenhilfen nicht direkt an die Geldinstitute fließen, sondern über die Regierung beantragt werden müssen, treiben die Stützungsmaßnahmen automatisch die Staatsschuldenquote hoch. Dies könnte sich jedoch ändern, wenn der Rettungsfonds ESM nach dem Aufbau einer europäischen Bankenaufsicht Geldhäuser direkt mit Kapitalspritzen versorgen dürfte. Dass Spanien womöglich auf eine solche Lösung schielt und einen Antrag auf Rettungshilfen für das Land hinauszögert, macht nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) die Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend nervös.

"Es ist erkennbar, dass Madrid die Sanierung vertagt. Das geht nicht gut", sagte ein Notenbanken-Vertreter dem Blatt. "Wir warten jeden Tag darauf, dass Investoren Spanien attackieren", zitierte die Zeitung einen anderen Repräsentanten einer europäischen Notenbank. Die EZB hatte unter den Rettungsschirm schlüpfenden Staaten, die sich Reformauflagen unterwerfen, Stützungskäufe am Anleihenmarkt in Aussicht gestellt. Sie will jedoch nicht vor einem Hilfsantrag auf aktiv werden, um den Reformdruck aufrechtzuerhalten.

Die Ankündigung der EZB hat dafür gesorgt, dass die Refinanzierungskosten des Landes gesunken sind. Doch Spanien muss bei einer allzu langen Hängepartie um einen Hilfsantrag mit einem Umschlagen der Stimmung an den Märkten rechnen. Die nächsten Auktionen stehen kurz bevor: Am Dienstag will das Land bis zu 4,5 Milliarden Euro einsammeln, am Donnerstag steht eine Versteigerung im Volumen von 3,5 Milliarden Euro an.

Neben diesen wichtigen Terminen am Kapitalmarkt dürfte Ministerpräsident Rajoy, der bereits seit Monaten über einen Hilfsantrag für Spanien nachdenkt, auch den Sonntag rot in seinem Terminkalender markiert haben: Dann wählen die Katalanen ein neues Regionalparlament. Der nationalistische Regierungschef Artur Mas hat ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region angekündigt, sollte er die Wahl gewinnen. In Umfragen wird ihm der Wahlsieg vorhergesagt, doch dürfte er auf einen Koalitionspartner angewiesen sein. Pikanterweise landet in einigen Umfragen die Konservative Partei Rajoys auf dem zweiten Platz. Rajoy sieht diese Abspaltungstendenzen mit Sorge und hält eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit für verfassungswidrig.

Zentralregierung und Region liegen im Clinch über die Verwendung der Steuern. Obwohl Katalonien zu den wirtschaftsstärksten Regionen Spaniens gehört, muss es von Madrid finanziell gestützt werden. Noch in diesem Monat werden von dort aus 3,3 Milliarden Euro zum Bedienen des Schuldendienstes nach Barcelona überwiesen.