Spanien sammelt bereits Geld für 2013 ein - Renditen fallen

Donnerstag, 22. November 2012, 17:28 Uhr
 

Madrid (Reuters) - Spanien hat sich zu günstigeren Bedingungen als zuletzt am Kapitalmarkt mit frischem Geld eingedeckt.

Die drei am Donnerstag versteigerten Schuldtitel mit Laufzeiten bis 2015, 2017 und 2021 dienen bereits zur Refinanzierung des klammen Staats für das nächste Jahr. Das als Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm gehandelte Land bot den Investoren durch die Bank niedrigere Zinsen als bei den vorangegangenen Versteigerungen. Mit knapp 3,9 Milliarden Euro wurde zudem das angestrebte Zuteilungsvolumen für die Anleihen deutlich übertroffen. Spanien konnte sich damit am Kapitalmarkt in einem Umfeld behaupten, das von erhöhter Unsicherheit wegen der schwelenden Euro-Krise gekennzeichnet ist.

So hatte die Ratingagentur Moody's dem Euro-Schwergewicht Frankreich die Spitzenbonität entzogen. Zudem konnten sich die Finanzminister der Euro-Zone bislang nicht auf weitere Hilfen für das pleitebedrohte Griechenland einigen. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sieht sich überdies mit verstärkten Unabhängigkeitsbestrebungen der Region Katalonien konfrontiert, die am Sonntag ein neues Parlament wählt. Die Investoren hielten Spanien dennoch die Stange: So rentierten selbst die bis 2021 laufenden Papiere mit 5,51 Prozent niedriger als bei der letzten Auktion, als noch 5,54 Prozent fällig wurden.

Rajoy hat für den maroden spanischen Bankensektor Hilfen in Brüssel beantragt, zögert jedoch noch, für das gesamte Land einen Rettungsantrag zu stellen. Ökonom Nick Stamenkovic von Ria Capital Markets hält trotz der "spürbar verbesserten Investorenstimmung" am Kapitalmarkt einen baldigen Gang Spaniens unter den Rettungsschirm für wahrscheinlich: "Der Markt rechnet für Anfang nächsten Jahres mit einem Rettungsantrag, wenn Spanien eine wahre Flut von Emissionen ins Haus steht." Allein im Januar müssen ausstehende Anleihen im Volumen von 28 Milliarden Euro bedient werden. Für 2013 liegt der Refinanzierungsbedarf mit insgesamt 207 Milliarden Euro noch höher als in diesem Jahr, als Spanien 186 Milliarden einsammeln musste.

NATIONALISTEN IN KATALONIEN STREBEN NACH UNABHÄNGIGKEIT

Katalonien ist wegen seiner hohen Verschuldung praktisch vom Kapitalmarkt abgeschnitten und ist wie andere Regionen Spaniens auf staatlichen Fonds zur Deckung des Finanzbedarfs angewiesen. Die Regionalregierung in Barcelona sieht die nach einer geplatzten Immobilienblase entstandenen Probleme jedoch nicht als hausgemacht an und argumentiert, dass mit den Steuereinnahmen aus dem wirtschaftlich starken Katalonien ärmere Regionen Spaniens aufgepäppelt würden. Der konservativ-nationalistische Partei CiU von Regierungschef Artur Mas dürfte Umfragen zufolge die Abstimmung gewinnen, die absolute Mehrheit jedoch verfehlen. Ein Bündnis der CiU mit anderen katalonischen Nationalisten könnte jedoch eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erreichen. Damit wäre der Weg frei für ein von Mas angestrebtes Referendum über die Unabhängigkeit der Region. Die separatistischen Tendenzen alarmieren die Staatsführung in Madrid, wo König Juan Carlos bereits eindringlich zur Einheit des Landes aufgerufen hat.