Forscher: Deutsche Arbeitskosten steigen stärker als im Euroraum

Montag, 26. November 2012, 12:47 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Erstmals seit der Jahrtausendwende steigen die Arbeitskosten in Deutschland schneller als in der Euro-Zone.

Für 2012 und 2013 erwartet das gewerkschaftsnahe IMK-Institut ein Plus von rund 2,5 Prozent, wie IMK-Direktor Gustav Horn am Montag in Berlin sagte. Damit verteure sich die Arbeit hierzulande wohl erneut stärker als im Währungsraum. Im vorigen Jahr kletterten die Arbeitskosten mit drei Prozent stärker als im Vergleich der EU- und Euro-Länder (je 2,7 Prozent). Dies hatte es zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Grund für die Entwicklung sind neben höheren Lohnabschlüssen in Deutschland sinkende Kosten in Krisenstaaten wie Griechenland, Irland und Portugal.

In Deutschland kostete 2011 eine Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft im Schnitt 30,10 Euro. In der EU liegt Deutschland damit wie 2010 auf Rang sieben - hinter Belgien (39,30 Euro), Schweden, Dänemark, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden (31,10 Euro). Der Durchschnitt in der EU betrug 23,10 Euro, in der Euro-Zone 27,60 Euro. Das Schlusslicht bilden Bulgarien mit 3,50 Euro und Rumänien mit 4,50 Euro. Während die Kosten in der deutschen Industrie mit 34,30 Euro vergleichsweise hoch lägen, seien sie bei den Dienstleistern rund 20 Prozent niedriger und mit 27,50 Euro nur minimal über dem Durchschnitt der Euro-Zone. Im Service-Sektor gebe es viele Bereiche, in denen "Tariflöhne ein Fremdwort sind", kritisierte Horn.

Zu den Arbeitskosten zählt das IMK neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung sowie als Arbeitskosten geltende Steuern.