Bund bleibt trotz Mini-Zinsen ein gefragter Schuldner

Mittwoch, 28. November 2012, 15:35 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Furcht vor einer Eskalation des Haushaltsstreits in den USA macht deutsche Anleihen für Investoren trotz Mini-Zinsen attraktiver.

Die Versteigerung von Bundesobligationen mit fünfjähriger Laufzeit spülte am Mittwoch mehr als 2,5 Milliarden Euro in die Staatskasse. Die Investoren begnügten sich mit einer Rendite von 0,41 Prozent, teilte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur mit. Die Rendite lag damit noch etwas niedriger als bei der vorangegangenen Auktion Anfang November, als sie 0,42 Prozent betrug. Die Nachfrage zog trotzdem an: Die Versteigerung war 1,9-fach überzeichnet, zuvor nur 1,5-fach.

Der Bund habe damit "ein wirtschaftlich sehr gutes Ergebnis" erzielt, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Analysten sehen das ähnlich. "Die Nachfrage war trotz der niedrigen Rendite ziemlich stark", sagte Alessandro Giansanti von ING. Nomura-Expertin Artis Frankovics führte das auf die Sorgen um die US-Wirtschaft wegen des Haushaltsstreits in Washington ("fiscal cliff") zurück. Anleger seien deshalb in sichere Papiere geflüchtet. Republikaner und Demokraten konnten sich bisher nicht einigen, wie der tiefrote Staatshaushalt saniert werden soll. Schaffen sie zum Jahresende keinen Kompromiss, steht ein großer Knall bevor. Denn 2013 wird das US-Staatsdefizit nach derzeitigem Stand um rund 665 Milliarden Dollar reduziert, was die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession treiben könnte.

"DAS GAB ES NOCH NIE"

Deutschland profitiert in der Schuldenkrise von seinem Status als sicherer Hafen. Alle drei großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik mit der Bestnote "AAA". Auf der Suche nach einem sicheren Parkplatz für ihr Geld begnügen sich Anleger mit Mini-Zinsen oder zahlen sogar eine Prämie, um in den Besitz von Bundeswertpapieren zu kommen.

Der Bund hat sich in diesem Jahr so billig wie noch nie Geld leihen können. Bei 19 der bislang 68 Auktionen zahlten die Investoren sogar eine Prämie, um an die als ausfallsicher geltenden Wertpapiere zu kommen. "Das gab es noch nie", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Trotzdem war die Nachfrage robust: Die Versteigerungen waren im Schnitt 1,8-fach überzeichnet. Die Anleger wollten also fast doppelt so viel haben wie sie zugeteilt bekamen.