Große Hoffnungen auf Freihandelsabkommen mit Japan

Donnerstag, 29. November 2012, 18:02 Uhr
 

Brüssel/Berlin (Reuters) - Bundesregierung und deutsche Wirtschaft setzen große Hoffnungen auf den baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommen der EU mit Japan.

Das Mandat auf europäischer Ebene für solche Verhandlungen stehe, betätigte ein EU-Vertreter am Donnerstag. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler begrüßte, dass die EU-Handelsminister den Weg dafür frei gemacht haben. Deutschland erhofft sich davon eine umfassende Öffnung des japanischen Marktes. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie äußerte sich erfreut: "Das Mandat für Verhandlungen bietet Chancen, den Handel mit Japan zu intensivieren." Der Präsident des Handelsverbandes BGA, Anton Börner, sprach von einer "großen Chance", die keinesfalls vertan werden dürfe.

"Nach langen und bis zuletzt schwierigen Verhandlungen konnten sich die Vertreter der EU-Mitgliedstaaten auf die Verabschiedung des erforderlichen Verhandlungsmandats für die EU-Kommission verständigen", teilte das Wirtschaftsministerium mit. "Dies wird zu einer Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Japan beitragen", erklärte Rösler. Deutschland habe klare Zielvorgaben für den Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse in Japan und die Öffnung der dortigen Beschaffungsmärkte durchgesetzt. "Davon werden unsere Unternehmen und damit unser Land profitieren."

Widerstand gegen das Projekt kommt indes aus der Automobilindustrie. Der europäische Autohersteller-Verband ACEA warnte vor einer "Einbahnstraße" zulasten der Europäer. Der Verband fürchtet, dass japanische Automobilimporte in die EU weitaus stärker anziehen werden als die EU-Exporte in das fernöstliche Land. Das könne bis zu 73.000 Arbeitsplätze in Europa bedrohen, warnte der Verband. Vor allem in Frankreich und Italien sind derartige Befürchtungen groß.

Dagegen mahnte das Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung Stefan Mair die EU-Kommission, "das vom Rat der Handelsminister erteilte Mandat zu nutzen, um den Zugang zum japanischen Markt auch für die deutschen Unternehmen entscheidend zu verbessern". Die relative Geschlossenheit des japanischen Marktes sei seit langem ein Problem für deutsche Firmen. Der BDI appellierte an Japan, hier zügig und konsequent Abhilfe zu schaffen.

BGA-Präsident Börner unterstrich, für EU und Japan gelte es, langfristig nicht aus der "Champions League" der Weltwirtschaftsmächte abzusteigen. Es gehe um Zukunftschancen, um Marktanteile und um Arbeitsplätze.

Wann die Verhandlungen aufgenommen werden, ist Rösler zufolge noch offen. Ziel müsse ein Abkommen sein, das die Exportchancen der deutschen und europäischen Wirtschaft nach Japan deutlich erhöhe.

Japan ist die drittgrößte Wirtschaftsmacht weltweit und lag 2011 auf Rang 14 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Der bilaterale Handel hatte im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 38,7 Milliarden Euro, von denen 15,1 Milliarden Euro auf deutsche Exporte entfielen. Für die EU ist Japan der zweitwichtigste Handelspartner in Asien.