Nackenschlag für einstiges Nadelöhr zu chinesischen Aktien

Donnerstag, 29. November 2012, 18:10 Uhr
 

Shanghai (Reuters) - In China hat das erste heimische Unternehmen den dahinsiechenden B-Aktienmarkt verlassen, der einst für Ausländer den einzigen Zugang zu börsennotierten Firmen aus der Volksrepublik bot.

Der Rückzug könnte die chinesischen Behörden veranlassen, den früher dynamischen Markt angesichts wachsender Probleme bald abzuwickeln. Die staatliche Reederei China International Marine Containers (Group) (CIMC) zog am Donnerstag ihre Notierung am B-Ticker zurück, um sich auf eine Rückkehr an der Börse in Hongkong vorzubereiten. Andere Unternehmen könnten Experten zufolge dem Beispiel folgen.

Der B-Aktienmarkt wurde 1992 ins Leben gerufen. Früher war es internationalen Investoren nur über B-Aktien möglich, an den chinesischen Börsen zu handeln. Im Zuge von Reformen erhielten ausländische Anleger in den vergangenen Jahren jedoch einen besseren Zugang zum Aktienhandel in der Volksrepublik. Der B-Markt versank daraufhin in der Bedeutungslosigkeit. Er ist mittlerweile wenig liquide und anfällig für Spekulationen.

B-Aktien werden in Shanghai und Shenzen notiert. Sie werden in ausländischer Währung gehandelt. Der Nennwert von B-Aktien ist in Yuan festgesetzt. Sogenannte A-Aktien waren dagegen ursprünglich chinesischen Investoren vorbehalten. Seit 2002 dürfen sie auch von institutionellen Anlegern aus dem Ausland gekauft und verkauft werden, wenn diese bestimmte Regulierungsauflagen erfüllen.

"Der B-Aktienmarkt ist zum Scheitern verurteilt und hat nur einen geringen Wert. Eine Reform des Marktes ist sehr kompliziert, sodass die Aufsichtbehörden nur wenig motiviert sind, etwas zu verändern", sagte Marktstratege Zhang Fan von Tebon Securities. Die einzige Lösung besteht Analysten zufolge darin, den angeschlagenen B-Markt aus seinem Elend zu befreien. Vor ein paaren Jahren wurde in Medienberichten spekuliert, dass A- und B-Aktien fusioniert werden könnten.

Ausländische Investoren haben beim Handel mit chinesischen Dividendenpapieren ein schlechteres Händchen als ihre Rivalen aus der Volksrepublik. Daten von Thomson Reuters zufolge verloren die 24 Auslandsfonds, die seit November 2007 nur in chinesische A-Aktien investieren, im Durchschnitt 61 Prozent. Bei ihren chinesischen Konkurrenten betrug der Rückgang nur 40 Prozent. Die chinesischen Aktienmärkte gaben in dem Zeitraum rund 60 Prozent nach. Ein Experte begründete die bessere weniger schlechte Entwicklung der Chinesen mit einer größeren Zahl von Analysten bei den Fonds, die die Unternehmen unter die Lupe nehmen könnten. Eine Reihe von Bilanzskandalen hatte das Vertrauen der Investoren in chinesische Unternehmen in den vergangenen Jahren erschüttert.