Weidmann: Noch viele offene Fragen bei Bankenunion

Donnerstag, 29. November 2012, 19:09 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht noch viele offene Fragen bei der diskutierten Bankenunion in Europa.

In einer Währungsunion sei das Finanzsystem ein "entscheidender Kanal für länderübergreifende Ansteckungseffekte", warnte Weidmann laut Redetext am Donnerstag vor dem Wirtschaftsrat der CDU in Berlin. Eine richtig ausgestaltete Bankenunion könne da ein Stützpfeiler für eine stabile Währungsunion sein. Das beinhalte unter anderem eine gemeinsame Aufsicht. Werde die, wie geplant, bei der EZB angesiedelt, so müsse ein Interessenskonflikt zwischen Geldpolitik und Aufsichtspolitik vermieden werden.

"Äußerst problematisch wäre es, falls ... versucht würde, die in der Vergangenheit entstandenen Risiken durch die Hintertür zu vergemeinschaften", gab Weidmann zu bedenken. "Zur Lösung der gegenwärtigen Krise ist die Bankenunion ... auch das falsche Mittel: Altrisiken in den Bankbilanzen sollten weiter von denjenigen Mitgliedstaaten getragen werden, in deren Verantwortung diese Risiken auch entstanden sind", unterstrich er. Zudem bedürfe die Bankenunion der Flankierungen. "Konkret halte ich es auf mittlere Frist für geboten, Forderungen an den Staat nicht länger gegenüber anderen bilanziellen Aktiva zu privilegieren". So sollte es eine Obergrenze für das Engagement einzelner Banken gegenüber staatlichen Schuldnern geben. Zudem sollten Banken Staatsanleihen oder Kredite an den Staat entsprechend deren Risiko mit Eigenkapital unterlegen. Bei der Bankenunion sollte Gründlichkeit vor Geschwindigkeit gehen.