Konjunktursorgen in Schwellenländern Brasilien und Indien

Freitag, 30. November 2012, 16:40 Uhr
 

Sao Paulo (Reuters) - Das überraschend schwache Wachstum der großen Schwellenländer Brasilien und Indien verstärkt die Sorgen vor einem weltweiten Abschwung.

Das Bruttoinlandsprodukt in Brasilien wuchs im dritten Quartal mit 0,6 Prozent nur halb so kräftig wie erwartet. In Indien schwächte sich der Zuwachs auf 5,3 Prozent ab. Im Gesamtjahr 2011 waren es noch 6,5 Prozent gewesen, in den beiden Vorjahren sogar jeweils 8,4 Prozent. Damit wächst die Gefahr, dass die Weltwirtschaft merklich an Schwung verliert. Die Euro-Zone steckt in der Rezession und der weltgrößten Volkswirtschaft USA droht das gleiche Schicksal bei einem Scheitern der Haushaltsverhandlungen. Auch und auch in China hat sich die Konjunktur in den Sommermonaten abgeschwächt.

"KONJUNKTUR REAGIERT NICHT WIE ERWARTET"

In Brasilien, der größten Volkswirtschaft Südamerikas, investierten die Unternehmen zwei Prozent weniger. Das war bereits das fünfte Minus-Quartal in Folge. Dagegen legte der private Konsum um 0,9 Prozent zu. Seit dem kräftigen Wachstum von 7,5 Prozent im Jahr 2010 hat die Wirtschaft verloren. Die Regierung versucht mit vielen Konjunkturpaketen gegenzusteuern. "Aber die Konjunktur reagiert nicht wie erwartet", sagte Chefvolkswirt Jankiel Santos von BES Investimento. Ein Grund dafür ist die schlechte Infrastruktur. Den Unternehmen fehlt es zudem immer schwerer, geeignetes Personal zu finden.

Auch Indien, Asiens Nummer drei nach China und Japan, wächst trotz aller Bemühungen der Notenbank langsamer. Auch hier geben Ökonomen der schlechten Infrastruktur eine Mitschuld daran. Finanzminister P. Chidambaram fordert von der Zentralbank eine Zinssenkung, um mit billigem Geld die Investitionen und den Konsum anzuregen. Indien braucht ein Wachstum von mindestens 8,5 Prozent, um neue Jobs zu schaffen.

 
A freight train filled with cereal grain travels toward Brazil's main ocean port of Santos, in Alto Taquari, Mato Grosso state, September 23, 2012. REUTERS/Nacho Doce