Polens Wirtschaft verliert nach Fußball-EM an Tempo

Freitag, 30. November 2012, 16:04 Uhr
 

Warschau (Reuters) - Der polnischen Wirtschaft geht langsam die Puste aus.

Sie wuchs im Sommer so schwach wie zuletzt Anfang 2009, teilte das Statistikamt am Freitag mit. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen Juli und September mit 1,4 Prozent zum Vorjahresquartal längst nicht so stark wie gedacht. Die Binnennachfrage und die Investitionen sanken jeweils. Das Finanzministerium kündigte an, im Gesamtjahr könnte sich das Wachstum auf zwei Prozent abkühlen und unter dem Regierungsziel von 2,5 Prozent bleiben. Die schwachen Daten machen eine weitere Zinssenkung wahrscheinlich. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die Notenbank kommende Woche den Schlüsselzins von 4,5 auf 4,25 Prozent senkt.

"Die Daten sind schlecht", sagte Elzbieta Chojna-Duch, die im Rat für Geldpolitik der Zentralbank sitzt. "Ich erwarte, dass das vierte Quartal sogar schwächer wird, aber ich glaube nicht, dass das Wachstum unter ein Prozent fallen wird", sagte sie zu Reuters. Die BIP-Daten signalisierten, dass eine Zinssenkung nötig sei. Chojna-Duch fügte hinzu: "Ich glaube aber nicht, dass Panik jetzt die richtige Antwort ist."

Polens Wirtschaft wuchs in den vergangenen Jahren kräftig. Das Land war als einziger EU-Staat nach der Finanzkrise nicht in die Rezession gerutscht und hatte als Co-Gastgeber für die Fußball-EM 2012 von Infrastrukturinvestitionen profitiert.