Japans Notenbank signalisiert weitere Konjunkturhilfe

Mittwoch, 5. Dezember 2012, 13:25 Uhr
 

Niigata (Reuters) - Japans Notenbank steht für eine weitere Konjunkturhilfe noch vor dem Jahresende bereit.

Sollte es wirtschaftlich schlechter als erwartet laufen, werde die Zentralbank entschlossen handeln, kündigte Vizechef Kiyohiko Nishimura am Mittwoch an. Die Zentralbank hatte der akut von einer Rezession bedrohten Wirtschaft bereits im September und Oktober mit geldpolitischen Spritzen auf die Beine zu helfen versucht. "Wir müssen darüber sprechen, ob das genug war", sagte Nishimura. Die Notenbank sei stets offen, neue "geldpolitische Möglichkeiten" zu erkunden. Spekulationen auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik in Japan belasteten den Yen sowohl zum Dollar als auch zum Euro.

Japan leidet unter der europäischen Schuldenkrise sowie einer hartnäckigen Deflation - also einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsbereitschaft. Die Zentralbank strebt in diesem Umfeld einen Preisauftrieb von einem Prozent an. Doch eine solche Teuerungsrate wird voraussichtlich selbst Mitte des Jahrzehnts nicht erreicht, wie die Notenbank selbst einräumt. Die Wirtschaft schrumpfte im Sommer um 0,9 Prozent und wird zum Jahresende voraussichtlich in die Rezession abgleiten.

Nishimura, einer von zwei Stellvertretern von BoJ-Chef Masaaki Shirakawa, bekräftigte nun, dass die Währungshüter ihre außerordentlich lockere Geldpolitik mit einem Programm zum Ankauf von Anleihen auch über das Jahr 2013 hinaus beibehalten könnten. Dies gelte für den Fall, dass das Inflationsziel absehbar verfehlt werde. Im Oktober beschloss die BoJ, ein Programm zum Ankauf von Anleihen und zur Vergabe von Krediten um umgerechnet 107 Milliarden Euro auf 884 Milliarden Euro auszuweiten.

OPPOSITION SETZT NOTENBANK VOR NEUWAHL UNTER DRUCK

Aus der Politik kommt jedoch die Forderung, noch mehr zu tun. Der führende Oppositionspolitiker Shinzo Abe hat sich für eine unbegrenzte geldpolitische Lockerung ausgesprochen, bis eine Teuerung von zwei Prozent erreicht wird. Zudem stellt er die Unabhängigkeit der Zentralbank infrage, die diesen Status erst seit 1998 besitzt. In Japan wird am 16. Dezember ein neues Parlament gewählt. Umfragen zufolge wird Abes Liberaldemokratische Partei (LDP) die Wahl gewinnen. Experten rätselten bislang, ob die Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung am 20. Dezember - und damit praktisch direkt nach der Wahl - die Geldschleusen erneut öffnen, oder bis Januar abwarten wird. Nishimuras Äußerungen signalisieren, dass die Notenbank den früheren Termin bevorzugt.

Mit Spannung blicken die Fachleute nun auf den Konjunkturbericht "Tankan" der Notenbank, der am 14. Dezember ansteht. Sollte er schwach ausfallen, wäre eine rasche Reaktion der BOJ wohl sehr wahrscheinlich. Ökonom Masamichi Adachi von JP Morgan Securities in Tokio geht davon aus, dass die Notenbank keine aggressiven Schritte einleiten wird. "Sie wird sich wohl für eine stetige Steigerung der Anleihenankäufe entscheiden."