Industrie mit stärkstem Auftragsplus seit Januar 2011

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 14:18 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Nach zwei Rückgängen in Folge haben sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie im Oktober wieder gefüllt - und das so deutlich wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Die Bestellungen stiegen wegen starker Nachfrage aus der kriselnden Euro-Zone und dem Rest der Welt um 3,9 Prozent zum Vormonat. Das ist viermal so viel wie Ökonomen erwartet hatten und dämpft die Sorge vor einer Rezession. Bundesregierung und Ökonomen rechnen aber trotzdem mit einem schwachen Jahresende, weil die Binnennachfrage lahmt.

Der kräftigste Anstieg seit Januar 2011 ist auch deswegen erstaunlich, weil er nicht auf wenigen Großaufträgen basiert. Diese fielen sogar unterdurchschnittlich aus, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Zudem war der Rückgang im September mit 2,4 Prozent schwächer als zunächst mit 3,3 Prozent angegeben. "Das ist ein eindrucksvolles Comeback", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Er warnt aber vor Euphorie. "Das wirtschaftliche Umfeld bleibt schwach", stellte auch das Ministerium fest. "Die Industrieproduktion dürfte sich daher in den nächsten Monaten verhalten entwickeln." Die negative Tendenz werde aber spürbar gemildert.

SOGAR AUS DER EURO-ZONE KOMMEN MEHR AUFTRÄGE

Die Unternehmen verdanken dies in erster Linie dem guten Exportgeschäft. Die Bestellungen aus dem Ausland legten um 6,7 Prozent zu. Dabei zog die Nachfrage aus der Euro-Zone um 3,5 Prozent an, obwohl sie inzwischen in einer Rezession steckt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im dritten Quartal mit 0,1 Prozent bereits zum zweiten Mal in Folge, bestätigte Eurostat eine erste Schätzung. Die Aufträge aus dem Rest der Welt legten sogar um 8,5 Prozent zu. "Die inländischen Unternehmen halten sich mit ihren Bestellungen aber weiterhin zurück", teilte das Ministerium mit. Sie kletterten nur um 0,4 Prozent. Die deutschen Unternehmen investieren wegen ungewisser Geschäftsaussichten infolge der Schuldenkrise seit einem Jahr immer weniger.

Ökonomen sehen die deutsche Wirtschaft deshalb noch nicht überm Berg. So geht die Commerzbank nach wie vor davon aus, dass das BIP im vierten Quartal schrumpfen wird - zum ersten Mal seit einem Jahr. "Allerdings machen die Zahlen Hoffnung, dass sich die Wirtschaft zu Jahresbeginn tatsächlich stabilisieren wird", sagte Commerzbank-Konjunkturexperte Ralph Solveen.

MANAGER SETZEN AUF ÜBERSEE

Damit wird auch in den Chefetagen der Unternehmen gerechnet: Das Ifo-Geschäftsklima hellte sich im November erstmals nach zuvor sechs Rückgängen in Folge wieder auf. Die 7000 befragten Manager schätzten vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser ein, da sie in Übersee mit guten Geschäften rechnen. Der Autobauer BMW etwa will sich 2013 von der tiefen Absatzkrise in Europa nicht bremsen lassen. Der Konzern werde weiter wachsen, sagte Vertriebschef Ian Robertson. In China und den USA - den beiden weltgrößten Automärkten - liefen die Geschäfte weiter gut.

Die Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern meldeten mit 4,5 Prozent den größten Zuwachs. Die Bestellungen von Vorleistungsgütern wie Chemikalien erhöhten sich um 3,4 Prozent, die von Konsumgütern um 2,1 Prozent.