EZB-Direktor Asmussen fordert von Europa mehr Integration

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 16:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) drängt die Euro-Länder wenige Tage vor dem Dezember-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel zu einer stärkeren Integration.

Der Schwung bei der Reform der Union dürfe nicht verloren gehen, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen am Donnerstag in Frankfurt. "Es wäre wichtig, dass die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel nächste Woche tatkräftig voranschreiten." Die Euro-Zone könne der Kern einer tieferen Integration sein. "Wir sollten ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten nicht fürchten, faktisch haben wir es heute schon", ergänzte der frühere deutsche Finanzstaatssekretär.

Europa befinde sich in einem Jahrzehnt der Anpassung, das genutzt werden müsse, um aus der Krise zu lernen und die Union zu vertiefen. Die EZB unterstütze diesen Prozess mit ihren Mitteln und werde innerhalb ihres Mandats "alles tun, um die Währungsunion zusammenzuhalten". Die EZB hat bereits im Spätsommer angekündigt, dass sie überschuldeten Krisenländern mit massiven Staatsanleihen-Käufen unter die Arme greifen will, wenn sich diese unter den permanenten Rettungsschirm ESM flüchten und strenge Auflagen erfüllen. Kritik kommt in diesem Zusammenhang vor allem von der Bundesbank, der das EZB-Vorgehen zu weit geht.

Asmussen mahnte Deutschland, sich trotz robuster Konjunktur nicht auf den Lorbeeren auszuruhen: "Sonst (...) ist man in fünf Jahren wieder der 'kranke Mann Europas'. Reform-Baustellen gibt es genug." Der Bund könne sich zwar mittlerweile problemlos mit Null-Zins-Anleihen refinanzieren. Dies sei jedoch "ein Ausnahmephänomen und kein Normalzustand".

Asmussen verteidigte zugleich die bisherigen EZB-Hilfen für das Finanzsystem und die Schuldenländer. Obwohl sich wegen der Rundumversorgung für die europäischen Banken und der bisherigen Staatsanleihen-Käufe die Zentralbankbilanz massiv ausgeweitet habe, seien keine Anzeichen für mittelfristig gestiegene Inflationsrisiken zu erkennen. "Die EZB wird auch weiter alle relevanten Indikatoren für Inflationsentwicklungen genauestens beobachten, und wir werden weiterhin angemessene Entscheidungen treffen, um Preisstabilität in der Euro-Zone als Ganzes zu gewährleisten", sagte Asmussen. Am Mittag hatte der EZB-Rat den Leitzins für die 17 Euro-Länder bei 0,75 Prozent belassen.

 
European Central Bank (ECB) Executive Board member Joerg Asmussen smiles during an interview with Reuters in Berlin June 19, 2012. REUTERS/Pawel Kopczynski