Juncker-Nachfolge - Schäuble hält sich Türchen offen

Sonntag, 9. Dezember 2012, 12:47 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält sich offenbar ein Hintertürchen offen, um vielleicht doch die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als Eurogruppen-Chef anzutreten.

Die Frage der "Bild am Sonntag", ob er oder sein französischer Kollege Pierre Moscovici als gegenwärtige Favoriten dieses Amt nun übernehmen würden, beantwortete der CDU-Politiker mit den Worten: "In jedem Fall muss der neue Mann die Integration Europas weiter vorantreiben." Konkrete Aussagen dazu, ob er den Posten anstrebt, machte Schäuble nicht.

Schäuble machte deutlich, dass nach Auffassung der Bundesregierung der neue Eurogruppen-Chef aus dem Kreis der Finanzminister kommen sollte. Es habe sich sehr bewährt, "wenn der Vorsitzende zwischen den unterschiedlichen Positionen vermitteln kann", sagte er.

Frankreichs Finanzminister Moscovici hatte mit einem Wackelkurs Verwirrung ausgelöst, ob er neuer Eurogruppen-Chef werden könnte. Zunächst hatte er Ende vergangener Woche einem Fernsehsender gesagt, er sei kein Kandidat dafür. Wenig später relativierte er, jede Vorfestlegung zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei voreilig. Wenn der Zeitpunkt gekommen sei, werde man im Kreis der Euro-Finanzminister gemeinsam über das Thema nachdenken und entscheiden. Alle individuellen Schritte in Hinblick auf dieses wichtige Amt seien unangemessen, hatte Moscovici gesagt.

Als die Diskussion über einen neuen Eurogruppen-Chef vor einigen Monaten schon einmal aufgeflammt war, hatte Schäuble signalisiert, er stehe dafür zur Verfügung. Allerdings gilt er im Kreis der Euro-Finanzminister weniger als eine vermittelnde, sondern eher als polarisierende Persönlichkeit. Zudem stände Schäuble als Eurogruppen-Chef entgegen, dass er womöglich nach der Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres aus seinem Amt als Finanzminister ausscheidet.