IAB: Minijobs gefährden reguläre Dienstleistungsjobs

Montag, 10. Dezember 2012, 17:44 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Minijobs gefährden einer Studie zufolge vor allem in den Dienstleistungsbranchen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.

Hinweise auf eine Verdrängung fänden sich besonders im Einzelhandel, im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört.

In den genannten Branchen spielen lange Öffnungszeiten und eine schwankende Nachfrage eine große Rolle. "Hier lässt sich der Faktor Arbeit optimal nutzen, wenn er in Minijobs gestückelt zum Einsatz kommt", erklärten die IAB-Forscher Christian Hohendanner und Jens Stegmaier. Betriebe könnten dadurch flexibel auf Kundenwünsche und -ströme reagieren. "Wenn beispielsweise längere Öffnungszeiten im Einzelhandel oder ein hohes Gästeaufkommen in der Gastronomie zu bewältigen sind, lässt sich dies mit Hilfe vieler kleiner Beschäftigungsverhältnisse passgenauer bewältigen."

Minijobs entziehen den Sozialversicherungen Beitragszahler. Weitet sich das aus, erhöht sich der Druck auf das Sozialversicherungssystem - etwa in Form von Beitragserhöhungen oder geringeren Leistungen. Besonders in kleinen Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten fanden die Forscher Indizien für eine Verdrängung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen durch Minijobs. "Allerdings ist hier zu bedenken, dass diese Betriebe nicht in jedem Fall zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse hätten schaffen können", so die Forscher. "Sei es, weil die Arbeitnehmer Minijobs bevorzugen oder weil das Arbeitsvolumen zu gering ist."