Finanzprofis erwarten rasches Anspringen der Konjunktur

Dienstag, 11. Dezember 2012, 16:30 Uhr
 

Berlin/Mannheim (Reuters) - Trotz der Konjunkturflaute zum Wintereinbruch erwarten Finanzprofis ein baldiges Anspringen der deutschen Wirtschaft.

Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten stieg im Dezember zur Überraschung fast aller Experten kräftig auf plus 6,9 von minus 15,7 Punkten. Dies ist der beste Wert seit Mai, wie das Mannheimer Forschungsinstitut am Dienstag zu seiner Umfrage unter Analysten und Anlegern weiter mitteilte. "Deutschland bleibt nach derzeitigem Stand der Dinge eine Rezession erspart", sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz. Das Wirtschaftsministerium erwartet, dass die Konjunktur ab Frühjahr wieder Fahrt aufnimmt.

Die Lage bewerteten die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Experten bereits besser als im Vormonat: Dieses Barometer stieg auf 5,7 von 5,4 Punkten. Ökonomen hatten 5,0 Zähler vorausgesagt. Die Zuversicht der Börsenprofis untermauert die positive Grundstimmung am Aktienmarkt. Der Dax stieg in der Spitze um 0,7 Prozent auf 7579 Zähler und notierte damit so hoch wie seit Mai 2011 nicht mehr.

Für den aufkeimenden Optimismus der Finanzprofis gibt es laut Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen drei Gründe: "Griechenland ist gerettet, die EZB bei Bedarf zu einem massiven Eingreifen bereit, und das Ifo-Geschäftsklima ist im November zum ersten Mal seit längerem wieder gestiegen." Falls die Zuversicht der Börsenprofis auch auf die Unternehmen ausstrahle, würde die Planungsunsicherheit der Firmen nachlassen. "Und damit auch der derzeit wohl größte Bremsklotz für die deutsche Konjunktur wegfallen", so Solveen.

"SCHWÄCHEPHASE IM FRÜHJAHR ALLMÄHLICH ÜBERWUNDEN"

Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Index und die ZEW-Konjunkturerwartungen deuteten darauf hin, "dass die Schwächephase nach dem Winterhalbjahr allmählich überwunden wird", heißt es im Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. Im vierten Quartal 2012 drohe die Wirtschaft jedoch auf der Stelle zu treten. "Das schwierigere internationale Umfeld belastet die deutsche Konjunktur." Dadurch werde sich die Wirtschaft "im Schlussquartal weiter abschwächen". Bereits im dritten Quartal hatte es nur noch zu einem Mini-Plus von 0,2 Prozent gereicht.

Für 2013 erwartet die Bundesbank einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,4 Prozent. Die Bundesregierung hingegen rechnet mit einem Plus von einem Prozent. Das Essener Forschungsinstitut RWI, das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitet wird, ist weit pessimistischer: Es erwartet nur einen Zuwachs von 0,3 Prozent. Im laufenden vierten Quartal 2012 sei das BIP sogar "merklich gesunken". Nach der vorübergehende Schwächephase wird sich die Produktion laut RWI jedoch in den ersten Monaten des kommenden Jahres stabilisieren. Auch das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI erwartet, dass Deutschland nicht in die Rezession schlittert. Vielmehr werde sich die Konjunktur ab Jahresbeginn allmählich wiederbeleben.

 
A worker controls the cast at a blast furnace of German steel manufacturer Salzgitter AG in Salzgitter March 24, 2010. German steel maker Salzgitter AG announces its annual figures on Friday, March 26. REUTERS/Christian Charisius (GERMANY - Tags: BUSINESS IMAGES OF THE DAY)