Britischer Zentralbankchef warnt vor Währungskrieg

Dienstag, 11. Dezember 2012, 16:12 Uhr
 

New York (Reuters) - Der britische Notenbankchef Mervyn King warnt vor einem Währungskrieg.

"Meine Sorge ist es, dass wir 2013 mehr aktive Eingriffe in die Wechselkurse sehen werden", sagte King am Montagabend (Ortszeit) bei einer Rede im Economic Club in New York. Dies werde zunehmend als Alternative zur Geldpolitik gesehen, mit der sich Wechselkurse durch steigende oder fallende Zinsen ebenfalls beeinflussen lassen. "Man kann von Monat zu Monat erkennen, dass immer mehr Länder die aktiv gesteuerten Wechselkurse zu spüren bekommen." Dabei handele es sich immer um Abwertungen. Welche Länder er meint, ließ der Chef der Bank of England allerdings offen.

Deutsche Experten teilen die Sorge von King. "Wir leben schon in einer Zeit, in der die meisten Zentralbanken versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen und strukturelle Defizite in ihren Ländern zu übertünchen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Wir haben in der Tat einen Abwertungswettlauf." Früher seien die Wechselkurse maßgeblich durch Zinserwartungen beeinflusst worden, die wiederum von den Konjunkturaussichten getrieben wurden. "Heute sind die Zinsen in vielen Industrieländern praktisch bei null", sagte Krämer. "Jetzt treiben die Notenbanken das Spiel weiter, indem sie durch ihre sehr expansive Geldpolitik Liquidität auf den Markt werfen."

"DAS EINE NICHT OHNE DAS ANDERE"

Die Zentralbanken führender Industriestaaten wie den USA, Großbritannien und der Euro-Zone haben ihre Leitzinsen wegen der Wirtschaftskrise auf Rekordtiefs gedrückt. Niedrige Zinsen machen Investitionen in Dollar, Pfund und Euro aber unattraktiver, was den Wechselkurs drückt. Große Schwellenländer wie Brasilien und China, aber auch Industriestaaten wie Japan und die Schweiz haben deshalb Maßnahmen unternommen, um die Aufwertung ihrer Währungen zu stoppen. Diese verteuern ihre Produkte im Ausland, was die Wettbewerbsfähigkeit verringert und die Exporte bremst. Gleichzeitig hat allein die US-Notenbank Hunderte Milliarden Dollar zusätzlich in den Markt gedrückt - Geld, dass viele Banken in Ländern mit höheren Zinsen anlegen und die dortigen Währungen unter Aufwertungsdruck setzen.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff warnte bereits vor einem "Tsunami" billigen Geldes und geißelte die Notenbank-Politik einiger Industriestaaten als "Währungskrieg". Der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, verteidigte dagegen die Politik des billigen Geldes und warf Schwellenländern vor, ihren Wechselkurs künstlich niedrig zu halten. "Die Vorteile einer Unterbewertung und das Problem ungewollter Kapitalzuflüsse müssen als Paket gesehen werden", sagte Bernanke. "Man kannst das eine nicht ohne das andere haben." Viele Investoren legen ihr Geld wegen niedriger Zinsen und schlechter Konjunkturaussichten in entwickelten Ländern wie den USA lieber in Boomstaaten wie Brasilien an. Der Kapitalzufluss lässt deren Währungen an Wert gewinnen.