Ifo - Wirtschaft wird sich nach hartem Winter erholen

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 14:03 Uhr
 

München/Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft wird nach einer Delle im Winter nächstes Jahr allmählich wieder auf Erholungskurs gehen.

Das Münchner Ifo-Institut rechnet zunächst mit einer schrumpfenden Konjunktur im vierten Quartal 2012, wie die Forscher am Donnerstag mitteilten. "Getragen von der Binnennachfrage dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr wieder an Fahrt gewinnen, sofern die europäische Schuldenkrise nicht erneut eskaliert." Der Aufschwung werde aber erst im Verlauf des Jahres einsetzen.

Für das Gesamtjahr 2013 - ebenso wie für 2012 - prognostizieren die Münchner ein Wachstum von 0,7 Prozent. Alle Vorhersagen stünden unter dem Vorbehalt, dass die Euro-Krise keine wilden Kapriolen schlage. Eine Lösung hat Ifo-Chef Hans-Werner Sinn nicht parat. "Wie wir da rauskommen, steht für mich in den Sternen."

Neben kauffreudigen Verbrauchern profitiere die deutsche Wirtschaft vom Export nach Asien und Osteuropa, ergänzte Sinn. "Deutschland schlägt sich wacker. Die Wirtschaft in den Schwellenländern schießt wie eine Rakete hoch." Deutschland könne sich auf seine Abnehmer rund um den Globus stützen. Die Weltwirtschaft werde nicht in eine Rezession abrutschen. "Wir stehen vor einem mäßigen Wachstum von 3,3 Prozent. Ein Absturz wie im Jahr 2008 ist nicht wahrscheinlich."

Mit seiner Schätzung für Deutschland ist sich das Ifo mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) einig und kommt auch der Prognose der Bundesregierung nahe, die ein Plus von einem Prozent erwartet. Auch andere Experten sehen die heimische Volkswirtschaft vor einem Jahr mit leichten Zuwächsen. Für 2013 erwartet zum Beispiel die Bundesbank einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,4 Prozent. Das Essener Forschungsinstitut RWI, das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitet wird, ist dagegen pessimistischer: Es rechnet nur mit einen Zuwachs von 0,3 Prozent.

HOFFNUNGSSCHIMMER MASCHINENBAU - STABILER ARBEITSMARKT

Ein Hoffnungsträger für die Wirtschaft sind die Maschinenbauer. Für 2013 rechnet die Branche mit einem erneuten Produktionsplus von zwei Prozent. "Wir bauen darauf, dass der in Europa eingeschlagene Weg fortgesetzt wird und sind voller Zuversicht, dass sich der Nachfragestau in wichtigen Märkten, namentlich China, auflöst", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Thomas Lindner.

Die Ifo-Forscher rechnen zudem mit einer stabilen Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Münchner erwarten 2013 nur einen minimalen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt um 60.000 auf 2,96 Millionen. Bei den Nachbarn sehe es indes düster aus. Frankreich drohe eine schwere Unterbeschäftigung. "Frankreich ist ein großes Problem", warnt Sinn. Die Regierung habe ihr Pulver verschossen. "Kein Land in der Euro-Zone ist dem Sozialismus so nah wie Frankreich."

Eine Teuerungswelle stehe den Europäern unterdessen nicht ins Haus. Die Inflation werde im kommenden Jahr auf 1,8 von zuletzt 2,5 Prozent zurückgehen, schätzen die Ökonomen. Die Deutschen kommen sogar noch besser weg: Hier werde die Preissteigerungsrate auf 1,6 Prozent und damit um 0,2 Punkte schrumpfen.