Industrie wächst in China - und schwächelt im Euroraum

Freitag, 14. Dezember 2012, 17:37 Uhr
 

Peking/Berlin (Reuters) - Chinas Industrie kommt immer besser in Fahrt und schürt Hoffnungen auf eine globale Konjunkturbelebung.

Die Geschäfte in dem Sektor liefen im Dezember so gut wie seit 14 Monaten nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC stieg nach vorläufigen Daten vom Freitag um 0,4 auf 50,9 Punkte. Das Barometer bleibt damit den zweiten Monat in Folge über der Schwelle von 50 Punkten, ab der es Wachstum angezeigt. Die NordLB sieht dies als Beleg dafür, dass die Industrie einen kleinen Gang höher schaltet und "die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft wieder auf Kurs einer lebhafteren Wirtschaftsdynamik ist", sagte NordLB-Ökonom Frederik Kunze. Die Daten beflügelten auch die Börsen in Asien und Europa. Dagegen kommt die Industrie im Euro-Raum nur langsam aus der Krise.

Die Neuaufträge und die Beschäftigung in den chinesischen Industriebetrieben legten laut Umfrage zu. "Ganz ohne Wermutstropfen geht es aber nicht", sagte Kunze und verwies auf die sinkende Auslandsnachfrage. Der China-Chefvolkswirt der HSBC, Hongbin Qu, betonte, China spüre im Exportgeschäft noch Gegenwind. "Deshalb muss Peking seine konjunkturstützende Politik fortsetzen, um die Auslandsschwäche auszugleichen", sagte er.

Chinas Wirtschaftswachstum war in den vergangenen sieben Quartalen - wenn auch von sehr hohem Niveau - stetig zurückgegangen. Trotz einer erwarteten, leichten Beschleunigung im Schlussquartal steuert China 2012 mit rund siebeneinhalb Prozent auf sein schwächstes Wachstum seit 1999 zu. Im nächsten Jahr dürfte es nach Einschätzung der staatlichen Denkfabrik State Information Center aber wieder anziehen und um rund acht Prozent bergauf gehen. Die moderate Konjunkturerholung werde sich trotz anhaltender Unsicherheiten fortsetzen, berichtete die Zeitung "China Securities Journal" unter Berufung auf die Ökonomen.

EUROPAS INDUSTRIE IM SCHNECKENTEMPO

Anders als in China kämpft sich die Industrie in der Euro-Zone nur im Schneckentempo aus der Krise. Der Markit-Einkaufsmanagerindex kletterte nur minimal um 0,1 auf 46,3 Zähler. Das Barometer stieg zwar auf ein Neun-Monats-Hoch, blieb aber deutlich unter der Schwelle von 50 Zählern. Im Service-Sektor ging es etwas stärker nach oben auf 47,8 Punkte.

Für einen Lichtblick sorgte Deutschland. Die gesamte Wirtschaft schwenkte erstmals seit April wieder auf Wachstumskurs. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft kletterte um 1,3 auf 50,5 Punkte. Auffällig ist die große Diskrepanz zwischen Dienstleistern und Industrie. Das Barometer für den Service-Sektor stieg überraschend deutlich um 2,4 auf 52,1 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit acht Monaten. Dagegen fiel der Industrie-Index unerwartet um 0,5 auf 46,3 Punkte. "Die Industrie belastet die Konjunktur", sagte Markit-Ökonom Paul Smith. Die Wirtschaft fasse zwar im Dezember wieder Tritt, für das vierte Quartal dürfte es aber nur zu einem stagnierenden Bruttoinlandsprodukt reichen.