Ungarn bekämpft Rezession mit immer niedrigeren Zinsen

Dienstag, 18. Dezember 2012, 17:55 Uhr
 

Budapest (Reuters) - Ungarns Notenbank stemmt sich mit niedrigeren Zinsen gegen die Rezession.

Die Währungshüter in Budapest kappten den Schlüsselzins am Dienstag um einen Viertelprozentpunkt auf 5,75 Prozent. Es war bereits die fünfte Senkung binnen fünf Monaten. Experten hatten damit gerechnet und erwarten weitere Trippelschritte für das nächste Jahr, auch weil sich die auf eine geldpolitische Lockerung dringende Regierung Einfluss auf das Gremium gesichert hat. Laut Notenbankchef Andras Simor fiel die Entscheidung mit knapper Mehrheit.

Diese Erfahrung musste Simor, der mit Ministerpräsident Viktor Orban überkreuz liegt, zuletzt immer wieder machen. Die von der Regierung eingesetzten vier Notenbanker hatten den Gouverneur und seine beiden Stellvertreter in den vergangenen Monaten stets überstimmt und damit den geldpolitischen Takt vorgegeben. Die Notenbank erwartet, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 1,4 Prozent schrumpft. 2013 soll das Bruttoinlandsprodukt dann um 0,5 Prozent zulegen.

Die niedrigeren Zinsen drückten den Kurs der ungarischen Währung: Mit 288,30 Forint kostete ein Euro am Dienstag mehr als am Montagabend mit 287,71 Forint. EZB-Chef Mario Draghi hatte jüngst bei einem Ungarn-Besuch gewarnt, dass Zinssenkungen unter Umständen zu einem Abwertungsdruck führen könnten. Die EU-Kommission hat gegen das osteuropäische Land unter anderem wegen Eingriffen in die Unabhängigkeit der Zentralbank ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.