EZB gewährt griechischen Banken wieder mehr Luft

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 15:55 Uhr
 

Frankfurt/Athen (Reuters) - Etwas Hoffnung für Griechenland - zumindest für seine maroden Banken:

Die Europäische Zentralbank (EZB) will wieder Anleihen des stark überschuldeten Landes als Sicherheit bei Refinanzierungsgeschäften akzeptieren. De facto versorgt sie damit die seit dem Sommer abgehängten griechischen Banken wieder direkt mit Liquidität. Diese hatten zuletzt ausschließlich von ihrer nationalen Zentralbank in Athen per Notkredit frisches Geld bekommen.

Wie die EZB am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, ist die positive Bewertung der Reformen in Griechenland durch die Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB der Grund, weshalb ab Freitag wieder Hellas-Bonds als Pfand für Zentralbankliquidität eingereicht werden könnten. Die Änderung gilt für alle schon ausgegebenen und alle künftigen Anleihen des griechischen Staates, von denen sehr viele in der Händen von heimischen Banken sind.

"GENUG IST GENUG!"

Während das Geld nun also bald wieder fließt, ging im Land selbst am Mittwoch wenig. Bei dem für 24 Stunden ausgerufenen Streik des Öffentlichen Dienstes legten landesweit viele Lehrer, Ärzte und kommunalen Beschäftigen aus Protest gegen schärfere Steuergesetze und Lohnsenkungen die Arbeit nieder. Bei einer zentralen Kundgebung in Athen forderten viele Redner ein Ende der Sparpolitik, die den öffentlichen Sektor an den Rand eines Kollaps gebracht habe: "Wir sagen der Regierung jetzt: Genug ist genug!" Bis zum frühen Nachmittag blieb es in der Hauptstadt eher ruhig. Allerdings besetzen 100 Demonstranten das Hauptquartier der Athener Stadtbahn.

Gute Nachrichten für das von der Schuldenkrise am stärksten gebeutelte Euro-Land hatte es dafür am Dienstagabend von der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gegeben. Die wegen ihrer Länderratings oft angefeindeten Bonitätswächter hoben ihre Bewertung Griechenlands um sechs Stufen auf "B-minus" an und versahen sie mit einem stabilen Ausblick. Wie die EZB lobte auch S&P die Reformen der Regierung und zeigten sich zudem von der Entschlossenheit der übrigen Euro-Länder überzeugt, Griechenland im Euro zu halten.

S&P HEBT DEN DAUMEN

Griechenland hatte zuletzt mit dem Rückkauf von Anleihen zu einem kräftigen Abschlag seine Schuldenlast um gut 20 Milliarden Euro reduziert. Dies war Voraussetzung dafür, dass seine Euro-Partner und der IWF grünes Licht für die Auszahlung neuer Hilfen über 49,1 Milliarden Euro gaben. Der Preis: wegen des Rückkaufs der Schulden hatte S&P die Anleihen Griechenlands auf "teilweisen Zahlungsausfall" (selective default) zurückgestuft.

Am anderen Ende der Ratingskala - bei "AAA" - finden sich derzeit noch die Niederlande wieder, immerhin die fünftgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Doch schwaches Wachstum und steigende Schulden könnten dem Nachbarn Deutschlands schon bald diese Topbewertung kosten, warnte die Ratingagentur Fitch. Damit steht nun nach Frankreich, das sein "AAA"-Rating kürzlich verlor und damit auch die Bewertung des Rettungsschirms ESM nach unten zog, das nächste Geberland in der Schuldenkrise unter verschärfter Beobachtung der Bonitätswächter.