EZB-Direktor Asmussen will im Ernstfall Anleihekäufe stoppen

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 16:42 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen fordert bei den von der Notenbank in Aussicht gestellten unbegrenzten Staatsanleihekäufe zugunsten überschuldeter Euro-Länder einen harten Kurs.

Die Interventionen am Anleihemarkt müsse sofort enden, sollte ein Staat seinen zugesagten Reformen nicht nachkommen. "Wenn wir in der Situation sind und ein Land die Auflagen nicht mehr erfüllt, wäre ich dagegen, die Anleihekäufe fortzusetzen", sagte der Ex-Finanzstaatssekretär am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Kritiker des im September vom EZB-Rat beschlossenen Programms bezweifeln, dass die EZB das Programm beendet, wenn ein Land Reformverpflichtungen und Auflagen nicht einhält. Sie fürchten, dass die Notenbank politisch zu stark unter Druck stünde. Für Asmussen steht und fällt jedoch gerade damit die Glaubwürdigkeit der Zentralbanker: "Das muss jeder für sich selbst dann klären im EZB-Rat." Asmussen, neben Bundesbank-Chef Jens Weidmann der zweite Deutsche im EZB-Rat, hatte im September für die von der Bundesbank strikt abgelehnten Anleihekäufe votiert.

Von einer weiteren EZB-Zinssenkung, wie sie in einigen von der Rezession geplagten Euro-Ländern gefordert wird, hält Asmussen nichts. Die Geldpolitik der EZB sei mit einem Leitzins von nur 0,75 Prozent bereites stark konjunkturstimulierend. Auch eine Absenkung des unter dem Leitzins liegenden Einlagesatzes der EZB kommt für Asmussen offenbar nicht infrage: "Ich wäre sehr zurückhaltend damit, das zu tun." Ein negativer Einlagesatz käme einem Strafzins für diejenigen Banken gleich, die Geld wegen der unsicheren Lage lieber bei der EZB parken, als es in den Wirtschaftskreislauf zu geben, etwa in Form von Krediten.