Bund will sich 2013 weniger Geld von Investoren leihen

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 14:48 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Deutschland muss sich 2013 wegen der sinkenden Neuverschuldung so wenig Geld von Investoren leihen wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Die Versteigerung von Anleihen und Geldmarktpapieren soll 250 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Das sind fünf Milliarden Euro weniger als in diesem Jahr, teilte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Donnerstag mit. Weniger Geld musste sich der Bund zuletzt 2008 am Kapitalmarkt leihen: Damals waren es 220 Milliarden Euro.

Mit dem Geld werden alte Schulden zurückgezahlt und das Defizit im neuen Haushalt geschlossen werden. Letzteres schrumpft den Planungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zufolge auf 17,1 Milliarden Euro - das sind rund elf Milliarden weniger als in diesem Jahr.

"DER BUND VERFÜGT ÜBER EINE ERSTKLASSIGE BONITÄT"

Der Bund profitiert in der Schuldenkrise von der Flucht der Investoren in sichere Anlagen. Bei 21 der insgesamt 70 Auktionen in diesem Jahr musste er keine Zinsen an seine Gläubiger zahlen, sondern kassierte eine Prämie. "Ob das weiterhin so sein wird, bleibt abzuwarten", sagte der Chef der Finanzagentur, Carl Heinz Daube, der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings hat Deutschland durch die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland enorme Risiken übernommen.

Einige Experten fürchten, dass Deutschland deshalb die höchste Bonitätsnote AAA verlieren könnte - wie zuvor schon Frankreich und die USA. Ob das die Zinskosten nach oben treiben könne, wollte Daube nicht sagen. "Ich halte allgemein wenig von Spekulationen, so auch in dieser Beziehung", sagte Daube. "Fakt ist, der Bund verfügt über eine erstklassige Bonität." Dazu trage die hohe Liquidität bei. "Das ist es, was Investoren interessiert, in normalen Marktphasen wie in Krisenzeiten."

ENORME LIQUIDITÄT

Derzeit befinden sich Bundeswertpapiere von 1,15 Billionen Euro im Umlauf. Am Markt wurde in diesem Jahr des fünffache Volumen gehandelt. Je mehr Anleihen von einem Emittenten gehandelt werden, desto größer ist die Chance für Gläubiger, die Papiere bei Bedarf wieder abzustoßen. "Von Bundesanleihen können problemlos ein paar 100 Millionen am Tag verkauft werden", sagte Fondsmanager Oliver Eichmann von der Deutsche-Bank-Tochter DWS, die ein Vermögen von 284 Milliarden Euro verwaltet. "Das geht mit norwegischen Anleihen nicht." Deshalb dürften Bundeswertpapiere trotz extrem niedriger Zinsen gefragt bleiben.

Zusätzlich behält sich die Finanzagentur vor, inflationsgeschützte Bundesanleihen zu begeben. Diese könnten weitere acht bis zwölf Milliarden Euro an Einnahmen bringen. Auch die Ausgabe von Anleihen in Fremdwährungen sowie von Schuldscheindarlehen könnte noch weiteres Geld in die Kasse spülen.

DEUTSCHLAND-BOND KOMMT

Bund und Länder werden 2013 erstmals mit einer gemeinsamen Deutschland-Anleihe den Kapitalmarkt anzapfen. Wann genau die Gemeinschaftsanleihe kommt und wieviel Geld damit eingesammelt werden soll, steht aber noch nicht fest. Zwischen den Ländern gibt es auch Streit darüber, ob sich mit der gemeinsamen Anleihe wirklich Zinskosten sparen lassen. "Ob diese Anleihe zu Vorteilen bei der Kreditaufnahme führt, wird von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich eingeschätzt", sagte Daube. "Erste Gespräche auf Arbeitsebene haben ein grundsätzliches Interesse bei einer Reihe von Ländern erkennen lassen." Erwogen wird beim Deutschland-Bond eine mittellanger Laufzeit, sagte Daube. "Auch hinsichtlich der Volumina gibt es erkennbar gleiche Vorstellungen aber noch keine Festlegungen." Nach Reuters-Informationen wurde zuletzt eine Laufzeit von fünf Jahren favorisiert.