Japans Industrie muss Produktionseinbruch verkraften

Freitag, 28. Dezember 2012, 14:09 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe ist mit einer wirtschaftlichen Hypothek ins Amt gestartet.

Die Industrieproduktion in dem bereits von Rezession und Preisverfall geplagten Fernostland brach im November um 1,7 Prozent ein, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag meldete. Die globale Konjunkturflaute schlug damit härter als gedacht auf die exportlastige Industrie durch, die ihren Ausstoß im Oktober erstmals binnen vier Monaten gesteigert hatte. Die aktuellen Daten dürften den Druck auf die Notenbank erhöhen, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, wie es Abe fordert.

Aus einer Regierungsumfrage im Verarbeitenden Gewerbe geht jedoch hervor, dass sich die Industrie schon bald berappeln könnte. Die Investoren an der Börse setzen zugleich auf einen aggressiveren Kurs von Regierung und Notenbank im Kampf gegen die Krise. Die Tokioter Börse beendete den Handel 2012 mit dem größten Jahresanstieg seit sieben Jahren: Der Nikkei-Index legte im Jahresverlauf um 23 Prozent zu. Zugleich wurde der Yen, der mit seiner Stärke den Exporteuren das Leben erschwert, auf dem niedrigsten Wechselkurs zum Dollar seit mehr als zwei Jahren gehandelt. Insgesamt hat die japanische Landeswährung im Jahr 2012 mehr als zwölf Prozent an Wert gegenüber der US-Devise verloren. Analysten von JP Morgan erwarten, dass der Yen seine Talfahrt noch mindestens bis zur Unterhauswahl im Juli fortsetzen wird. Die Märkte setzten darauf, dass Abe eine "echte Wende" einleiten werde.

Finanzminister Taro Aso vereinbarte bei einem Treffen mit Notenbankchef Masaaki Shirakwa, engen Kontakt zu halten. Bei dem Gespräch sei es jedoch nicht um Geldpolitik gegangen, betonte Aso. Eine ähnliche Sprachregelung hatte es bereits nach einer Unterredung zwischen Abe und Shirakawa gegeben. Wie vom künftigen Regierungschef gewünscht, wird der Zentralbankrat am 22. Januar darüber beraten, ob das Inflationsziel von einem auf zwei Prozent angehoben wird. Damit könnte die Zentralbank die Deflationsspirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsneigung noch aggressiver bekämpfen als bisher.

MODERATE INFLATION DERZEIT REINES WUNSCHDENKEN

Zugleich will die Regierung mit einer Politik der tiefen Taschen die Wirtschaft ankurbeln. Laut Finanzminister Aso sollen Anfang Januar Vorschläge für ein Konjunkturpaket gebündelt werden. Die Notenbank hat bereits den Geldhahn geöffnet. Sie beschloss erst vorige Woche, abermals zehn Billionen Yen in die Wirtschaft zu pumpen. Insgesamt steigt der Stimulus der Notenbanker damit auf 101 Billionen Yen (rund 900 Milliarden Euro). Doch das Ziel von zwei Prozent Inflation ist für Japan derzeit reines Wunschdenken. Die Verbraucherpreise sanken im November wie erwartet im Jahresvergleich erneut - und zwar um 0,1 Prozent. Falls die Notenbank nun die Geldschleusen noch weiter öffnen sollte, geht sie damit in dem bereits unter hoher Staatsverschuldung leidenden Land weitere Risiken ein: Langfristig könnte zu viel Liquidität im Finanzsystem für Blasen sorgen - etwa am Immobilienmarkt.